Durch die Westalpen zum Mittelmeer

Roman schwärmt schon länger von demGrande-Traversata-delle-AlpiTransalp. Einen ersten Teil des GTA-2 durch die Westalpen hat er schon gefahren und er wird nicht müde uns von den wilden und noch einsamen Bergen in der italienisch-französischen Grenzregion vorzuschwärmen.
Er hat uns überzeugt. Die letzte Etappe fahren wir gemeinsam mit dem Mountainbike zum Mittelmeer.

Die Tour stammt aus dem Buch „Alpencross Westalpen“ von Achim Zahn. Die einzelnen Etappen haben wir für uns passend umgeändert.

Transalp 2019

2.- 14. August 2019 – mit Manfred, Michael und Roman

444 km, 12.475 Höhenmeter, 10 Tour Tage, 3 Tage An- und Rückfahrt, 24 Pässe, davon 15 über 2.000 m
Höchster Punkt: Bassa del Druos 2628 m

Tourverlauf der “Grande Traversata delle Alpi” – GTA 2
Höhenprofil der “Grande Traversata delle Alpi” – GTA 2

Anreisetag

Die Räder haben wir gestern schon aufgeladen. In aller Frühe treffen wir uns und machen uns auf die 800 Kilometer lange Strecke hinunter ins Piemont.

Lange hält sich der Verkehr in Grenzen, aber in der Schweiz geraten wir in starken Regen und werden von ihm ziemlich ausgebremst. Unter dem Strich hatten wir aber Glück. Wir waren lange, aber unfallfrei unterwegs und erreichen am späten Nachmittag Paesana. Im „La Colletta“ werden wir schon erwartet. In den Bergen hängen die Wolken, morgen wir werden sehen, was sein wird.

Regenwolken in den Bergen bei Paesana

Jetzt aber erwartet uns erst einmal ein hervorragendes Abendessen auf der Terrasse und eine hoffentlich erholsame Nacht.

LA COLLETTA
Hotel Ristorante
Via Colletta, 29
12034 Paesana (CN)
Cell. +39.348.5659612
info@lacolletta.com

1. Tag

44,0 km – 1.230 hm – 1.335 hm tief – 6:33 Std. in Bewegung
Paesana 616 m – Colle di Gilba 1524 m – Colle del Prete 1716 m– Melle 673 m

Nach dem Frühstück führt uns unser Weg zuerst in den Supermarkt von Paesana, wo wir uns mit Reiseproviant eindecken. Wir können nicht einschätzen ob wir heute noch eine Einkaufsgelegenheit bekommen, und etwas zu essen im Rucksack gibt auf jeden Fall ein Gefühl der Sicherheit.

Auf der wenig befahrenen Straße rollen wir auf unseren Mountainbikes ein paar Kilometer bis Sonfront. Im Ort bereitet sich man auf ein Fest vor und vieles ist schon rot und weiß geschmückt. Plastikbecher wurden zu Wasserrädern und Girlanden geformt, und freudige Erwartung liegt in der Luft.

Wie immer zeigt das Foto nicht wie steil es wirklich ist

Wir verlassen die Hauptstraße und sofort zieht das schmale Sträßchen an und unser Anstieg beginnt sofort. Es geht hoch und höher und beim Erreichen des groben Schotters ist es mit dem Fahren endgültig vorbei.

Eine erste Begegnung mit den motorisierten Offroad Freunden

Fernes Geknatter lässt uns aufhorchen, kurz darauf kommt uns vom Pass her eine Gruppe von Endurofahrern entgegen. Die ersten Geländewagen auf der Tour treffen wir anschließend oben am Colle di Gilba. Noch wundern wir uns.

Am Colle di Gilba

Etwas später und 200 Meter höher, beim Colle del Prete, diskutieren wir über den weiteren Tourverlauf. Wir haben die Wahl zwischen einem längeren oder einem kürzeren Stück auf der Straße. Das kürzere Stück ist jedoch ungeplant und am Navi querfeldein geroutet.
Wir entscheiden uns für das Abenteuer und finden uns schnell ziemlich offroad wieder.

Anfangs geht es auf einem schmalen Pfad noch ganz hübsch über offenes Wiesengelände, doch mit dem Erreichen einer Kuhweide ist der Weg verschwunden. Wir versuchen auf der Tracklinie zu bleiben, und dabei dem zu folgen, was vielleicht irgendwann einmal ein Weg war. Fahren würde ich das nicht nennen, aber es hat seinen eigenen Reiz.

Wo hier einmal ein Weg war lässt sich kaum noch feststellen

Einiges an „Pfadfinderei“ später, fallen wir oberhalb des Weilers Richetta regelrecht aus dem Wald und rollen, für alle Beteiligten unvermutet, am Kaffeetisch einer Großfamilie vorbei. Wir winken uns noch gegenseitig zu und sind schon wieder bergab verschwunden.

Eine Pause wäre jetzt nicht schlecht. Und wie so oft ist das Glück mit uns, zwischen ein paar im Nirgendwo hingeworfenen Häusern versteckt sich eine frisch renovierte Kneipe. Wir essen und trinken, und bleiben viel länger als anfangs gedacht.

Ein Stück Hauptstraße später sind wir in Melle, wo wir schlafen werden.

B&B Marietta
Via Castelar 2
12020 Melle
+39 338 585 9728

2. Tag

55,1 km – 1.947 hm – 1.040 hm tief – 7:47 Std. in Bewegung
Melle 673 m – Colle del Birrone 1700 m – Bassa d’Ajet 2310 m –  Colle di Sampeyre 2284 m – L’Artesin 1542 m

Heute steht uns ein harter Tag bevor. Laut Streckenplanung werden es 2250 Höhenmeter mit einer geschätzten Fahrzeit von 8:16 werden. Wie zu erwarten war, kennt der Tag (fast) nur eine Richtung.

Die ersten 18 km können wir, wenigsten teilweise, noch fahren, aber dann, kurz nach dem namenlosen Campingplatz, ist Schluss.

Campingplatz an der Strada dei Cannoni – “Straße der Kanonen”

Unser weiterer Weg auf der Grande-Traversata-delle-Alpi verläuft auf einer verfallenen Militärstraße mit Stufen und losem Geröll, spannend, aber bergauf völlig unfahrbar. Und während wir schieben, wirklich stundenlang schieben, kommen uns von oben wieder die Freunde des Allrads entgegen. Diese ganze Gegend hier scheint eine bekannte Spielwiese in den Westalpen zu sein. (Der Einstieg ist vermutlich am Colle di Sampeyre)

Auf dem Weg zum Colle di Sampeyre

Bis zum Colle di Sampeyre geht es nur bergauf. Es ist leicht neblig und schon fast 20 Uhr, als wir endlich die Passhöhe erreichen.

Von hier ginge es jetzt etwa 700 m durch unbekanntes Gelände hinunter nach L’Artesin, aber der Tag war mehr als lang und wir sind reichlich müde. Wir wagen es nicht den Trail zu fahren. Müde wie wir sind, ist die Unfallgefahr zu groß, wir nehmen die Abkürzung auf der Passstraße.
Als wir ankommen, dämmert es bereits.

L’Artesin – Bruna Rosso Corrado5 Borgo Clari
Elva, CN 12020, Italien
+39 347 783 9416

3. Tag

35,1 km – 1.538 hm – 815 hm tief – 5:22 Std. in Bewegung
L’Artesin 1542 m – Colle d’Esischie 2370 m – Rifugio Fauniera 2300 m

Die Abfahrt von L’Artesin ins Valle Maira läuft gut. Eine asphaltierte Militärstraße, schmal, kurvig und manchmal ein Tunnel. Technisch supereinfach, aber eine tolle Landschaft und immer der Blick in den Abgrund.

Strada Provinziale 104

Die Hauptstraße im Mairatal ist gerade ohne Verkehr. Am Campingplatz vorbei, und dann die 800 m nach Ponte Marmora hinüber sind schnell gefahren.

In dem winzigen Ort, es sind wirklich nur wenige Häuser, biegen wir links ab und kurbeln hoch zum Straßenpass Colle d’Esischie auf 2370 m. Es ist heiß, teilweise über 30 °C, und als wir einen Bach queren bietet sich die Gelegenheit die Flaschen aufzufüllen, zu essen und ein wenig zu rasten.

Brücke über Combale della Pena

Auf unserm Weg zum Pass begegnen uns ein paar Wanderer und vereinzelte Autos. Aber zu anderen Zeiten scheint hier einiges los zu sein, der Schilderwald am eigentlichen Passanstieg ist jedenfalls bemerkenswert.

Jetzt bloß nichts übersehen

Unser Ziel, das Rifugio Fauniera, kommt gleich hinter dem Colle d’Esischie und liegt etwa 70 hm tiefer. Es ist noch sehr neu und die Konstruktion erinnert es an ein großes Biwak.
Der Platz und die Wirtsleute sind nett.

Am Colle d´Esischie 2370 m

Rifugio Fauniera
Strada provinciale del colle Fauniera
12020, Castelmagno
+39 388 129 5174

4. Tag

38,3 km – 810 hm – 1.914 hm tief – 5:15 Std. in Bewegung
Rifugio Fauniera 2300 m – Colle d’Esischie 2370 m – Colle Valcavera  2416 m – Colle Cologna 2395 m – Passo della Gardetta 2437 m – Passo di Rocca Brancia 2620 m – Sambuco 1185 m

Vom Rifugio Fauniera geht es kurz und steil hoch um dann leicht ansteigend, aber meist fahrbar zum Rifugio della Gardetta Rocca la Meja zu führen. Wieder einmal sind wir auf einer Militärstraße, die sich allerdings relativ eben dahin schlängelt.

Rifugio Fauniera als Punkt in der Bildmitte

In einem der Unterstände zeigen Fotos, dass im Winter der Schnee hier durchaus drei Meter hoch liegen kann, aber heute, an diesem warmen Tag ist das nicht vorstellbar.

Ruinen von Mannschaftsbaracken
Rifugio della Gardetta Rocca la Meja mit dem Rocca la Meja im Hintergrund

Am Rifugio, die beiden Gebäude waren Teile des Militärlagers, machen wir eine längere Pause. Um danach wieder fahren zu können, müssen wir zuerst auf grobem Schotter über den Passo della Gardetta und dann noch über den Passo di Rocca Brancia kommen.

Militärstraße zum Passo della Gardetta

Für heute verlassen wir das Hochgebirge

Erst danach geht es langsam wieder runter und wir kommen wieder mehr und mehr aufs Rad, anspruchsvoll bleibt es. Wir kommen aus dem Hochgebirge heraus und der Charakter der Landschaft ändert sich von Alpin auf Alm. Auf schmalen Pfaden fahren wir immer weiter ab.

Auf dem GTA Wanderweg, kurz vor dem Ort Pontebernardo

Ein paar Kehren vor Pontebernardo treffen wir auf die Hauptstraße, fahren schnell zum Ort ab, und wechseln gleich wieder auf eine verschlafene Nebenstraße.

Wir gewinnen wieder an Höhe und fahren ein gutes Stück über der Superstrada 21 durch das Tal des Flüsschens Demonte nach Sambuco.
In einem Gästehaus des Hotels Albergo della Pace kommen wir gut unter.

Albergo della Pace
Via Umberto I, 32,
12010 Sambuco CN, Italien
+39 0171 96628
info@albergodellapace.com

5. Tag

36,6 km – 1.560 hm – 713 hm tief – 6:06 Std. in Bewegung
Sambuco 1185 m – Col de la Lombarde 2350 m – Isola 2000 auf 2038 m

Am nächsten Morgen geht es zurück auf die andere Flussseite und dann für einige Kilometer wellig dahin. In Pratolungo fällt dann die Entscheidung. Nach dreizehn aufeinander folgenden Kehren haben wir verstanden, es geht jetzt hoch, und zwar für länger. Wir sind jetzt auf der Passstraße zum Col de la Lombarde und es liegen noch ungefähr 1.000 Höhenmeter vor uns.

Auf dem Weg zum Cole de la Lombarde

Die nicht enden wollende Straße nimmt uns voll in Anspruch und verdrängt sogar den Gedanken, dass wir für heute noch nicht wissen wo wir schlafen werden.

Sant´Anna di Vinadio

In einer Spitzkehre, mit Abzweig nach Sant´Anna di Vinadio auf der anderen Talseite, machen wir eine Verschnaufpause. In Fahrtrichtung wird der Himmel dunkler und es wird Zeit, dass wir uns um ein Quartier kümmern. Bei der zweiten Adresse aus unserer Liste werden wir fündig und buchen im Hotel Druos in Isola 2000.

Die geplante Route verlässt hier den Asphalt und führt auf Piste weiter zum Pass hinauf. Wir wollen aber trocken bleiben und ziehen die schnellere Strecke auf der Passstraße vor. Es ist noch ein gutes Stück und die Straße zieht sich, ich sehe den Pass, ich kämpfe, und ich komme ihm nicht näher.

Col de la Lombarde

Irgendwann bin ich natürlich doch oben am Col de la Lombarde. Am Grenzpass zwischen Italien und Frankreich pfeift ein kräftiger und kalter Wind, wir halten uns nur kurz auf.

Dann ein paar schnelle Kehren und wir sind 300 hm tiefer und in Frankreich. Isola 2000 ist ein nichtssagender französischer Skiort.

Hôtel Le Druos
Front de Neige
06420 Isola 2000
Frankreich
+33 4 93 23 12 20
hoteldruos.com

6. Tag

19,7 km – 628 hm – 1.291 hm tief – 3:53 Std. in Bewegung
Isola 2000 auf 2038 m – Bassa del Druos 2628 m – Terme Reali di Valdieri 1362 m

Nach dem Frühstück haben wir etwa hundert Meter, um uns einzufahren, dann geht es die Skipiste hoch. Wir schieben, was sonst. Weiter oben wird das Gelände flacher, dafür ist es verblockt.

Aufstieg zum Baisse de Druos

Wir schieben die ganzen 600 Höhenmeter bis zum Bassa del Druos. Noch halte ich es für einen Fehler, den Abstecher nach Frankreich gemacht zu haben, noch ahne ich nichts von der Wahnsinnsabfahrt auf der anderen Seite des Passes.

Baisse de Druos

Oben angekommen haben wir eine fantastische Aussicht auf die italienische Seite. Der Pass Bassa del Druos markiert die Grenze, unten sieht man die Gebäude der alten italienischen Garnison. Wir genießen den Blick und verspeisen einen Teil unserer Vorräte. Der Weg hinunter ist anfangs für mich nicht fahrbar, später wird es besser, aber es sind immer wieder sehr schwere Stellen zum Schieben dazwischen.

Hier am Lago inveriore di Valscura beginnt der Militärweg N23

Die Übernachtung in Isola 2000 hat sich gelohnt

Endgültig fahrbar ist die Strecke ab dem Lago inveriore di Valscura, der See, den wir vom Pass aus schon gesehen haben. Wieder einmal sind wir auf einer Militärstraße, ganze zehn Kilometer führt uns der N23 ins Tal. Im oberen Teil noch steil und mit einem Belag aus sauber geschichteten Platten, was nicht heißen soll, dass der Untergrund glatt ist. Eine gewisse Grundgeschwindigkeit vorausgesetzt lässt es sich ganz gut fahren. Weiter unten wechselt der Belag auf groben Schotter. Voll im Flow rauschen wir ins Tal.

Auf die Idee abzusteigen und die Pferde kurz am Zügel zu führen kommt niemand

Nur einmal müssen wir wegen eines Hindernisses vor uns stoppen. Einer geführten Gruppe von Reitern gelingt es nicht ihre Pferde über eine behelfsmäßige Brücke zu bekommen.

Bemerkenswert waren auch unsere Begegnungen mit Wanderern. Alles war immer sehr freundlich, aber viele waren regelrecht verblüfft darüber, dass Radfahrer hinter ihnen vom Berg abfahren.

Der erste Ort in den wir kommen heißt Terme Reali di Valdieri, hier können wir im 4 – Bett Lager übernachten.

Rifugio Casa Savoja
Regione Terme, 1,
12010 Valdieri CN, Italien
+39 327 011 6545

7. Tag

58,97 km – 585 hm – 938 hm tief – 4:23 Std. in Bewegung
Terme Reali di Valdieri 1362 m – Rifugio Pian Delle Gorre 1313 m

Heute gibt es wenig zu berichten. Der Tag ist Asphaltlastig und nach dem Hochgebirge ein wenig öde. Von der Therme weg, geht es lange auf einer wenig befahrenen Straße ins Tal. Ab dem ersten größeren Ort fahren wir auf Nebenstraßen. Das Rifugio Pian delle Gorre ist ein beliebtes Ausflugsziel, aber am Abend wird es auch hier ruhiger.

Familienausflug zum Rifugio Pian delle Gorre

Rifugio Pian Delle Gorre
+39-0171-738 077,
piandellegorre@libero.it

8. Tag

21,0 km – 1.471 hm – 426 hm tief – 5:02 Std. in Bewegung
Rifugio Pian Delle Gorre 1313 m – Passo del Duca 1989 m – Colle Piana 2219 m – Colle delle Carsene 2221 m – Colle del Lago dei Signori 2111 m – Rifugio Don Barbera 2079 m

Man kann schon sagen, dass wir den ganzen Tag geschoben haben. Das bisschen Fahren fällt nicht ins Gewicht.

Auf dem Weg zum Passo del Duca

Das Stück zum Passo del Duca geht im Wesentlichen einfach. Der Pass scheint beliebt zu sein, kurz vor uns ist schon eine Radlergruppe angekommen und eine zweite stößt bald darauf dazu. Die Wanderer aus Schwaben treffen wir wenig später.

Wir sind im Grenzgebiet, was man an der Weganlage gut sehen kann. Die Straße schlängelt sich durchs Gelände und gleicht geringste Höhenunterschiede aus. Die Landschaft ist karg und zerklüftet.

Italienische Militärstraße kurz vor der Grenze zu Frankreich

Am Colle Piana kommen wir wieder für kurz auf französisches Gebiet. Eine dünne über den schmalen Weg gespannte Schnur und ein einzelner Grenzstein markieren die Grenze zwischen Italien und Frankreich. Bald wird der Weg zu einer breiten Schotterstraße und die Offroadfreunde sind wieder da. Etwas später markiert der Colle del Lago dei Signori den erneuten Grenzwechsel zurück nach Italien.

Einhundert Meter Luftlinie und dreißig Höhenmeter tiefer liegt das Rifugio Don Barbera. Ich bin froh, dass wir endlich da sind. Die Hütte ist gut besucht und unser 8-Bett Zimmer ist voll, inklusive Kleinkind. Einmal geht das schon.
Das Frühstück italienisch karg.

Rifugio Don Barbera
18025 Briga Alta Cuneo, Italien info@rifugiodonbarbera.eu
(+39) 0174 086157

9. Tag

65,3 km – 917 hm – 2.782 hm tief – 6:27 Std. in Bewegung
Rifugio Don Barbera 2079 m – Passo della Porta 1815 m – Passo di Garlenda 2021 m – Passo Fronte 2115 m – Galleria del Garezzo 1795 m – Passo della Guardia 1461 m – Passo Del Pelegrino 1388 m – Montalto Ligure 219 m

Am Morgen geht es wieder hoch zum Colle del Lago dei Signori und weiter auf der Strada ex-militare Monesi – Col di Tenda. Für die nächsten zwanzig Kilometer, bis kurz vor der „Batterie du Mt. Saccarel“, bleibt die Straße in der Nähe zur Grenze. Stetig leicht abfallend und immer im Schatten des Bergkammes, von Frankreich aus nicht einsehbar.

Strada ex-militare Monesi – Col di Tenda

Am Passo della Porta wir müssen dann wieder kräftig in die Pedale treten. Oben am Grenzkamm hätten wir eine weite Sicht, aber die dicke Wolkendecke verhindert den Blick ins Tal. Auf einem Trail geht es jetzt schön hoch und über eine Wiese am Kamm noch schöner wieder runter. Es läuft gut, zum Teil auch steinig anspruchsvoll, bis ich plötzlich den Weg verliere.

Via Marenca

Der Track macht eine Spitzkehre nach rechts, aber rechts fällt das Gelände fast senkrecht ab. Es dauert eine Weile bis ich merke, dass ich auf der Leitung beziehungsweise über dem Tunnel „Galleria del Grezzo“ stehe.

Rücksturz ins Tal

Unser Trailabstecher hat uns von der Militärstraße weggeführt, jetzt sind wir wieder auf der Schotterstraße angekommen. Es folgt eine 13 Kilometer lange Abfahrt hinunter nach Triora. Von 1795 m auf 780 m, aus angenehmer Temperatur in die Hitze.

Nachmittagshitze in Triora

Im Baumschatten am Café neben der Hauptstraße gönnen wir uns eine Pause. Wir trinken gekühltes Wasser, klären die Übernachtung für heute und halten uns nicht unnötig auf.

Abgesehen von einem kleinen Gegenanstieg vor Cetta fahren wir immer tiefer ab. Nach Cetta beginnt ein fast drei Kilometer langer Trail hinunter zum Torrente Argentina und an seiner Uferflanke entlang. Leider haben wir nur einen kleinen Teil gefahren. Mit einem acht Kilo Rucksack am Rücken war uns das doch zu gefährlich. Dafür konnten wir eine Gruppe junger Downhiller bewundern, welche sich todesmutig denselben Weg hinunterstürzten, den wir eben noch schiebend und rutschend hinuntergezittert sind. Respekt.

Brücke über den Rio Grognardo

Zu unserem Tagesziel Montalto Ligure geht es nun auf Asphalt lange bergab. Der Ort ist etwas größer und liegt teilweise am Berg. GoogleMap soll uns zu unserer Unterkunft führen, was aber nicht funktioniert. Oben am Berg müssen wir feststellen, dass unser Quartier hier jedenfalls nicht ist. Mit der analogen Methode „Menschen fragen“ kommen wir schließlich doch noch ans Ziel. Die unnötig gefahrenen Höhenmeter buchen wir unter der Rubrik „Erfahrung“.

B&B Ca du Russu
Strada Provinciale 2
18010 Montalto Ligure, Italien
3402294188
booking.com

10. Tag

49,7 km – 1.160 hm – 1.529 hm tief – 6:44 Std. in Bewegung
Montalto Ligure 219 m – Passo di Tavole 1047 m – Passo di Vena 969 m – Sanremo – 15 m

Heute ist der letzte Fahrtag, heute werden wir am Mittelmeer ankommen. Montalto Ligure liegt auf 219 m, das Meer auf 0 m. Und dennoch werden am Abend 1160 Höhenmeter am Tacho stehen.

Wir fahren weiter und es geht gleich wieder hoch. Bis zum Weiler Arzene auf Asphalt, danach weiter auf geschottertem Fahrweg.

Unterwegs gibt es keine Wasserstelle und wir sind schon sehr durstig als wir an der kleinen Kirche beim Passo di Tavole ankommen. Aber auch hier, kein Wasser.

kein Wasser am Passo di Tavole

Kurz nach der Kirche zweigt unser Trail ab, aber zu unerwartet und zu sehr eingewachsen, um sofort ins Auge zu fallen. Erst nach einigen Mühen finden wir den Einstieg.

Ligurischer “Flow Trail”

Die folgenden zwei Kilometer zum Passo di Vena sind völlig unfahrbar. Der Pfad ist so stark eingewachsen, dass wir ihn kaum sehen können, dazu kommen Gebüsche und Steine. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, um uns neu zu orientieren.

Ligurischer “Flow Trail”

Es ist sicher schon Jahre her, dass hier der letzte Wanderer durchgegangen ist. (Auf der Karte läuft westlich ein paralleler Weg, ob der besser ist, wage ich nicht zu beurteilen).

Ab Passo di Vena können wir wieder fahren und nach weiteren zwei Kilometern, auf Höhe des Monte Faudo, gibt es sogar Wasser. Wir trinken so viel, wie wir können, und machen die Flaschen wieder voll.

Die einzige Wasserstelle weit und breit

Aus warm wird sehr warm

Ab jetzt geht es bis zum Meer im Wesentlichen nur noch bergab, wir wissen es nur noch nicht. Die Vegetation ist schon deutlich mediterran. Bäume gibt es keine mehr und alles, was wächst, ist hart und hat Stacheln. Die fingerdicke Brombeerranke bei der schnellen Abfahrt, auf Höhe meines Halses über den Trail gestreckt, habe ich erst bemerkt als sich mein Körper tief und lang gestreckt hat. Die Reflexe sind ein Wunder.

Wir kommen zu der im Boden verlegten Gasleitung, hier ist Niemandsland und deshalb macht sich auch niemand die Mühe die aufgewühlte Trasse auch nur irgendwie zu glätten. Schwierig zu fahren, der Kraftaufwand lohnt sich kaum.

Bald geht es runter zum Meer

Am Spätnachmittag, das Meer ist manchmal schon kurz zu sehen, kommen wir in den seit Stunden ersten Ort. Jemand hat vergessen die Backofentüre zu schließen und der Wind weht uns ungewohnt warm entgegen.

Wir machen in Cibressa Pause, trinken ein Bier und suchen über Booking.com eine Übernachtung unten am Meer. In Sanremo werden wir fündig. Entfernung zum Hotel Morandi sind 11 km, so steht es im Smartphone. Auf meinem Tacho stehen später 25 km, das meiste auf Hauptstraße. Egal, Hauptsache wir sind da und haben ein Bett.

Hotel Morandi
Corso Matuzia 51,
18038 Sanremo, Italien
+39 0184 667641
Bokking.com

1. Rückreisetag

Heute geht es zurück zum Auto. Geplant ist mit dem Zug nach Saluzzo und das letzte Stück nach Paesana mit dem Rad. Die Bahnapp hatte eine Verbindung ohne Umsteigen angezeigt.

Jetzt brauchen wir nur noch die Fahrkarten. Gut ist, dass wir das schon gestern nach dem Ankommen erledigt haben.

Denn: leichter geplant als getan. Diese Verbindung gibt es überhaupt nicht.

Bahnhof Sanremo

Die tatsächlich mögliche Verbindung bedeutet zweimal umsteigen plus eine spätere Abfahrt, so gegen 11:00. Dieser Zug fährt auch pünktlich ab, aber beim ersten Umsteigen sind wir zu spät und verpassen den Anschluss. Wir warten fast eine Stunde auf den Anschluss.

Der zweite Zug verspätet sich ebenfalls, sodass wir wieder eine Stunde auf den dritten Zug warten.

Mit dem Zug an der Küste entlang

Später losfahren plus zweimal auf Anschlüsse warten summiert sich auf. Wir sind gut drei Stunden später als geplant in Saluzzo.

Jetzt müssen wir nur noch ca. 30 km zum Auto zurück und irgendwann wird es ja auch dunkel. Die ersten zwanzig Kilometer sind glücklicherweise flach, aber dann zieht die Straße stetig in die Höhe.

In den Bergen im Hintergrund steht unser Auto

Auf der Ausfallstraße bemühe ich mich einen 27er Schnitt zu halten, auf der Nebenstraße schaffe ich dann noch 22 um dann in der Steigung immer langsamer zu werden. Zuletzt noch zum Pass hoch. Im Dämmerlicht kommen wir am Hotel an. Wir duschen kurz und draußen ist Nacht. Ich bin aber so was von Platt.

2. Rückreisetag

Rückfahrt mit dem Auto nach Regensburg. Mit minimalen Pausen fährt Roman um die 10 Stunden durch.

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