Zweimal über den Alpenhauptkamm

Es gefällt mir aus dem vorhandenen Material neue Touren zusammen zu stellen. Und das Ziel einer Alpenüberquerung muss ja nicht immer der Gardasee sein. Ich habe mir gedacht, es könnte interessant sein, den Alpenhauptkamm in Südrichtung zu überqueren, danach umzukehren und den Alpenhauptkamm erneut an anderer Stelle in Nordrichtung noch einmal zu überqueren.

Herausgekommen ist eine Tour welche am Bahnhof in Tegernsee startet, mit Brenner Grenzkammstraße und dem Timmelsjoch den Alpenhauptkamm überquert, um danach am Bahnhof in Sonthofen zu enden.

Transalp 2015

421 km,  11.535 Höhenmeter,  9 Fahrtage & 1 Ruhetag,  12 Pässe, davon 6 über 2.000 m,
Höchster Punkt: Schneebergscharte 2700 m

2. – 12. August mit Michael und Roman

Zweimal geht es über den Alpenhauptkamm

1. Tag

38,4 km – 1365 hm hoch – 598 hm tief – 4:04 Std in Bewegung
Tegernsee 758 m – Sutten 1064 m – Gufferthütte 1475 m

Leichter Nieselregen setzt ein als wir am Bahnhof Tegernsee losfahren. Es geht am See entlang, durch Rottach-Egern und weiter gut fahrbar auf Teer dahin. Nach etwa sieben Kilometern haben wir die Häuser hinter uns gelassen. Der Nieselregen hört jedoch nicht auf und wir ziehen nun doch unser Regenzeug an. Am Forsthaus Valepp machen wir am Imbiss eine kleine Pause und überqueren danach die Grenze zu Österreich.

Dauerniesel beim Forsthaus Valepp

Wir fahren jetzt auf feinem Schotter, er wird uns bis zur Gufferthütte begleiten. Inzwischen hat sich das Wetter erfreulicherweise gebessert und die Hütte liegt schön in der Sonne.

Gufferthütte

Gufferthütte – 1475 m

2. Tag

  64,6 km – 1560 hm hoch – 1264 hm tief – 6:07 Std in Bewegung
Gufferthütte 1475 m – Inntal 560 m – Weidener Hütte 1799 m

Der Tag beginnt mit einer einfachen Schotterabfahrt hinunter ins Tal zum Achensee. Nette Seepromenade und Fahrwege. Zwischen See und Jenbach gibt es unerwartet auch einen kleinen Trail. Dannach ein kurzes, lästiges und wohl unvermeidbares Stück Hauptstraße bis nach Vomberbach. Der Abzweig nach Weerberg kommt und die Straße zieht sofort steil nach oben. Fahrbar, aber jetzt hat es 27 °C und es ist eine schattenlose und schweißtreibende Angelegenheit.

Brutheiß in Unterried

Irgendwo unterwegs am Supermarkt eine Rast eingelegt und eine Cola getrunken, dann weiter. Bei dem Örtchen Innerst kommen wir endlich wieder in den Wald. Der Weg wird anspruchsvoller und ich bin schon so platt, dass ich mehr schiebe, als fahre.

Ein anstrengender Tag, langsam kommen wir in die Berge.

Gebetsfahnen der Weidner Hütte or der Bergsilhouette
Gebetsfahnen der Weidner Hütte

Weidener Hütte 1799 m

3. Tag

33,3 km – 1636 hm hoch – 1108 hm tief – 4:44 Std in Bewegung
Weidener Hütte 1799 m – Geiseljoch 2292 m – Tuxerjoch Haus 2319 m

Auf der Weidener Hütte hat es uns gefallen und die Wirtsleute waren auch nett. Als wir am Morgen in Richtung Geiseljoch aufbrechen ist es noch frisch und unser Weg liegt noch im Schatten der aufgegangenen Sonne.

Ein Mountainbiker ist auf dem Weg zum Geiseljoch. Er steht im Schatten während der Gegenhang schon in der Sonne liegt
Unterwegs zum Geiseljoch

Der Jeepweg, welcher uns zum Joch führt, ist gelegentlich etwas steil, aber weitgehend fahrbar. Erst als wir dem Joch näher kommen wird der Weg zum steilen und steinigen Pfad. Oben angekommen genießen wir erstmal die Aussicht. Wir bleiben aber nicht lange und fahren bald auf einer kurvenreichen Piste hinunter nach Vorderlanersbach.

Von hier nach Hintertux sind es etwa 8 km auf stetig ansteigender Straße. Die Sonne brennt und wir teilen uns die Straße mit Autos, was etwas nervig ist. Erst kurz vor Hintertux können wir auf eine Forststraße ausweichen. Bis zur Seilbahnstation fahren wir nun im Schatten, danach geht es wieder schattenlos weiter zur Hütte. Das letzte Stück Weg wird noch einmal extrem steil – und die Sonne bleibt uns treu und brennt.

Die sehr steile Auffahrt zum Tuxerjoch Haus. Im Hintergrund der Hintertuxer Gletscher
Die steile Auffahrt zum Tuxerjoch Haus. Im Hintergrund der Hintertuxer Gletscher

Das Tuxerjoch Haus ist dann nach den Erfahrungen mit der Weidener Hütte eine kleine Enttäuschung. Die Hütte ist überraschend klein und veraltet ausgestattet. Es gibt eine einzige Dusche für alle und im Lager gibt es mehr Schlafplätze als Haken für die Sachen. Nachdem die Hütte voll ist und wir zu den letzten gehören die sich einen Platz suchen, kann man sich vorstellen, was das heißt.

Zu guter Letzt war auch noch meine Koje zu kurz. Nachdem ich mich ausreichend lange gequält habe, bin ich mitten in der Nacht auf den Flur geflüchtet und habe auf dem Sofa zu schlafen versucht.

Tuxerjoch Haus 2313 m

4. Tag

28,5 km – 713 hm hoch – 1416 hm tief – 3:47 Std in Bewegung
Tuxerjoch Haus 2313 m – Sattelbergalm 1637 m

Beim Frühstück herrscht viel Unruhe, von der ich mich anstecken lasse. Es stellt sich heraus, dass eine holländische Wandergruppe sich hier ganz Zuhause fühlt. Es ist eng und viel Gepäck steht im Weg, ohne dass es die Besitzer zu kümmern scheint.

Draußen liegen schöne morgendliche Schatten auf den Grasbergen und es ist gut, dass sich unsere Wege sofort wieder trennen. Die „Traumabfahrt“,  ,,der Holy Trail, den man einfach gemacht haben muss“ – den schieben wir. Erst 600 hm tiefer, am Kaserer Bach steigen wir wieder auf. Aber dafür sehen wir Murmeltiere ganz aus der Nähe, oft kaum zwei Meter weit entfernt.

Die Abfahrt vom Tuxer Joch ins Schmirntal geht über eine Wiese mit Bergblick
Abfahrt vom Tuxer Joch ins Schmirntal

Unser Weg führt uns durch schöne Landschaft und ist angenehm zu fahren. In Stafflach überqueren wir die Hauptstraße und schieben fast sofort. Wir müssen einen Berg hoch, unter der Nößlacher Autobahnbrücke durch und weiter hoch bis wir auf der anderen Seite auf Höhe der Autobahn sind. Dannach ist es wirklich Zeit für eine längere Pause. Am Rand eines kleinen Wäldchens machen wir es uns bequem. Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht.

Zwei Biker schieben die Räder über eine Wiese steil hoch
Hochschieben zur äußeren Nößlachbrücke

Ganz in der Nähe, in Fahrtrichtung, haben wir eine Autobahnraststätte gesehen, jetzt fällt es uns wieder ein. Nicht viel später haben wir das Gelände die Raststätte durch eine kleine Türe im Zaun betreten und sitzen beim Kaffee.

Gestärkt rollen wir die restlichen paar Kilometer bis Vinanders dahin, dann geht es wieder einmal abrupt hoch. Bald sind wir auf Schotter und damit auf dem letzten Anstieg hoch zur Sattelbergalm.

Wir bekommen ein schönes Zimmer mit Balkon, es ist wenig los und ich wasche erst mal meine Sachen.

Sattelbergalm 1637 m

5. Tag

42,8 km – 870 hm hoch – 1480 hm tief – 4:14 Std in Bewegung
Sattelbergalm 1637 m – Brenner Grenzkammstraße 2071 m – Mareit 1111 m

Nette Wirtsleute auf der Sattelbergalm und ein schöner Platz. Am Morgen bestätigt mir der Wirt, dass sich die Problematik mit dem Wegerecht hoch zum Grenzkamm erledigt hat, zumindest gab es in diesem Jahr keine Probleme. Die Stelle welche den Ärger bisher auslöste sieht man dagegen gut, festes Gatter und der Hinweis, dass Radfahren verboten ist.

Ein Gatter mit Fahrradverbotsschild versprerren den Weg
Grenzübergang nach Italien

Bis hierher ist der Weg noch weitgehend eben, dann zieht er an und es werden durchgängig 11 %. Ganz oben legt der Weg noch mal eine Schippe drauf und ich schiebe.

Oben, bei den Resten eines Gebäudes angekommen, lassen wir die Räder liegen und gehen die wenigen fehlenden Höhenmeter zum Sattelberg hoch. Von hier hat man einen weiten Blick. Tief unten die Autobahn, wie Spielzeug, nichts zu hören. Wir können „unsere“ Raststätte sehen.

Weiter Blick am höchsten Punkt des Sattelberg
Am Sattelberg
ein Mountainbiker für über einen steinigen Wiesenweg Richtung Gossensaß ab
Eigene Abfahrt nach Gossensaß

Wir sind jetzt auf der Brenner Grenzkammstraße. Sie schlängelt sich weit sichtbar auf gleicher Höhe am Hang entlang. Schöne Sicht, einfach zu fahren. Roman war schon einmal hier und weiß, dass es noch länger so weitergeht.

Der unsichtbare Trail

Nach einigen Kilometern, wir schauen schon die ganze Zeit, ob es fahrbare Trails gibt, sehen wir einen kaum erkennbaren Weg. Kurz vor den Flachjoch verlassen wir deshalb unsere Planung und fahren auf Verdacht in diesen „unsichtbaren“ Trail ein.

Es ist spannend, das Gras ist teilweise Lenkerhoch und eine Trailspur nur auf den ersten Metern zu ahnen. Nach schöner, kurviger Entdeckerfahrt stoßen wir bei der Außergiggelberger Alm wieder auf einen Fahrweg, welcher uns weiter Richtung Gossensaß nimmt. Der Abzweig hat sich gelohnt. Unten im Tal nimmt uns dann die Hitze wieder in Empfang. Bis Sterzing bleiben wir auf einer kleinen Straße.

Eine Bank am Marktplatz in Sterzing. Zwei Biker essen mit offensichlichem Hunger Pizza
Pizzapause in In Sterzing

Am Marktplatz besorgen wir uns etwas zu essen und machen Pause. Wir sind so durchgeglüht, dass wir es im Ort nicht aushalten und weiterfahren, der Fahrtwind tut uns gut. Ein Radweg führt uns aus Sterzing hinaus und bald am Ridnaunbach entlang. Wieder einmal haben wir Glück und finden einen passenden Badeplatz für uns alleine. Das Wasser ist nicht tief, hat aber ordentlich Zug und ist erfrischend kalt. Wir finden ausgespülte Stellen an denen man sich ganz eintauchen kann. Recht lange bleiben wir im Wasser und kühlen uns richtig runter. Die restlichen Kilometer nach Mareit, wo wir in der Pension Sonnseit unterkommen, sind rasch gefahren.

Beim Abendessen werden wir von der Wirtin auf das Beste abgefüttert 🙂

Pensione Sonnseit
Fritzengatter 7 – Mareit
+39 0472 758030

6. Tag

20,9 km – 1726 hm hoch – 418 hm tief – 5:00 Std in Bewegung
Mareit 1111 m – Schneebergscharte 2700 m – Schneeberghütte 2355 m

Am Morgen geht´s vom Haus weg sofort mit 10 % hoch. Nach einem längeren Stück auf der Straße kommen wir erwartungsvoll auf einen Trail. Aber kaum 500 m später ist er zu Ende, und wir sind schwupp, wieder auf einer Straße.

Von der hochgelegenen Moarerbergalm geht der Blick zurück ins Tal
An der Moarerbergalm 2110 m

Leicht ansteigend führt unser Weg am letzten Ort Maiern vorbei zum Talschluss mit dem Südtiroler Bergbaumuseum. Wir sind jetzt wieder auf 1417 m. Im Bereich der alten Bergwerksanlage treffen wir auf eine Forststraße die, anfangs sehr steil, hinauf zur Moarerbergalm auf 2110 m führt. Nach 700 Höhenmetern kommen wir bei der Alm an und rasten ausgiebig. Wir ahnen, was uns bevorsteht.

Ein Mountainbiker schleppt sein Rad durch verblocktes Gelände hoch zum Schneebergscharte
Aufstieg zur Schneebergscharte

Gleich hinter der Alm ist dann endgültig Schluss mit fahren. Bis zur Schneebergscharte auf 2700 m, dem höchsten Punkt der Tour, ist es nur noch schieben, heben, tragen – bis zu 30 % steil und verblockt. Damit es nicht zu leicht wird, regnet es zwischendurch ein wenig, gerade genug um die Jacke anzuziehen. Für diese 600 Höhenmeter sind wir zwei Stunden unterwegs. Eigentlich gar nicht so schlecht für uns alte Herren.

Drei strahlende Mountainbiker oben an der Schneebergscharte
Schneebergscharte – Forcella Monteneve 2690 m

Oben an der Scharte ist die Temperatur ungemütlich und der Platz extrem begrenzt. Er reicht gerademal für drei Personen mit Rädern. Wir machen ein paar Fotos und schieben auf der anderen Seite wieder runter. Ja, schieben, keiner von uns kann den oberen Teil fahren. Gegen 17:20 kommen wir an der Schneeberghütte an.

Das Haus ist schön, wir haben ein mönchisch karges Zimmer, mir gefällt das. Nur die Zudecke, die dürfte länger sein. Erst mitten in der Nacht komme ich auf die Idee meinen Hüttenschlafsack auch noch zu verwenden.

Schneeberghütte 2355 m

7. Tag

RUHETAG

Es ist die erste Tour, bei der ich einen ganzen Ruhetag eingeplant habe. Ich mache das so nicht mehr. Schon bald nach dem Frühstück war uns langweilig. Michael und ich haben eine kleine Wanderung versucht und wurden von einem Gewitter eingeholt und komplett abgewaschen.
Statt eines Ruhetags plane ich in Zukunft eine kurze Etappe ein.

zwei nach einem Regenguss klatschnasse Biker. Im Hintergrund die Schneeberghütte
getaufte Mäuse
Die Gebäude St. Martin am Schneeberg und die Schneeberghütte vor Bergkulisse
St. Martin am Schneeberg und die Schneeberghütte

8. Tag

 34,5 km – 1018 hm hoch – 1966 hm tief – 5:26 Std in Bewegung
Schneeberghütte 2355 m – Timmelsjoch 2509 m – Sölden 1346 m

Der Tag verspricht sonnig zu werden und wir fahren den schönen Knappenweg hinunter zur Timmelsbrücke im Passertal. Die anspruchsvolle Abfahrt ist ein Traum, auch wenn wir nicht alles fahren konnten.

Auf dem Knappenweg 29 fährt ein Mountainbiker bergab
Auf dem Knappenweg 29 hinunter zur Timmelsbrücke
Ein Biker auf dem schönen Trail Knappenweg 29 fährt hinunter zur Timmelsbrücke
Auf dem Knappenweg 29 hinunter zur Timmelsbrücke

Mit der Timmelsbrücke sind wir an der berühmten Hochalpenstraße angekommen. Zu erwarten sind außer den Rennradlern und den Motorradfahrern auch noch jede Menge Autos und Busse. Und wir mittendrin, Schneckenlangsam mit acht kg schweren Rucksäcken? Eher nicht. Einzige Alternative ist, den Urweg zum Timmelsjoch hochzuschieben. Das sind zwar auch wieder rund 700 Höhenmeter, aber wir sind ja gut im schieben und außerdem dürfen wir uns auf die Trailabfahrt hinunter nach Zwieselstein freuen.

Zwei stolze Mountainbiker vor dem Pass-Schild Timmelsjoch 2509 m
Timmelsjoch / Passo Rombo 2509 m

Der Urweg ist für uns nicht fahrbar

Es begegnen uns etliche Wanderer und ein Mountainbiker, der allerdings zu Recht gut mit Protektoren ausgerüstet. Auf der Passhöhe wollten wir noch einen Kaffee trinken, angesichts der Gästemassen haben wir dann aber darauf verzichtet. Vom Joch abwärts war die Verlängerung vom Urweg geplant. Kaum losgefahren – schon liege ich. Zum Glück nur leichte Schürfungen, aber der Schneid ist raus und ich komme erstmal nicht mehr aufs Rad.

Mit dem Sturz in den Knochen (eigentlich ja im Kopf) ändern wir den Plan und fahren auf der Straße alle Bögen aus und hinunter bis Zwieselstein wo wir kurz vor Schluss doch noch einen spontanen Trail mitnehmen und dann erst mal Pause machen und etwas essen.

Jetzt bei der Nachbetrachtung sehe ich, dass unsere Abfahrt mit S3 qualifiziert ist, völlig unmöglich für uns. Wieso hab ich das bei der Planung nicht bemerkt??

Wir wollen heute noch nach Sölden und kommen auf dem Weg dahin durch die Kühtrainschlucht. Noch einmal geht es hoch, unten in der Schlucht könnte man nicht einmal wandern. Im Haus Herta kommen wir unter.

Haus Herta 1346 m
Familie Raffl Helga
Gemeindestraße 7
A-6450 Sölden
+43 5254 2346 

9. Tag

77,7 km – 1600 hm hoch – 1595 hm tief – 7:09 Std in Bewegung
Sölden 1346 m – Hahntennjoch 1894 m – Boden 1347 m

Von Sölden nach Imst geht es bergab immer am Fluss entlang. Sehr schön… Und dann kommt die Auffahrt zum Hahntennjoch.

Wir hatten nun schon reichlich Kilometer in den Beinen und es war, wieder einmal, sauheiß. Die Steigung selten unter 10 %, und sie zieht sich. Am Berg fährt jeder sein eigenes Tempo. Aber die Straße zum Joch ist bei Motorradfahrern und Autofahrern beliebt, sodass ich nie lange alleine war. Kurz vor der Passhöhe, ein gutes Stück von der Straße entfernt, kommt die Alm von Imst. Michael wartet schon.

Die lange Straße zum Pass Hahntenjoch
Auf der Hahntennjochstraße zum Hahntennjoch

Einen Wahnsinnsdurst hatte ich. Auf der ganzen Strecke hat es kein Wasser gegeben und meine Flasche war bis auf den Notschluck leer. Regelrecht ausgedörrt war ich. Michael scheint es geahnt zu haben. Jedenfalls hält er mir beim Ankommen sofort ein Getränk entgegen.

Wir hatten noch kein Quartier für heute und hier können wir nicht bleiben. Dafür bekommen wir den Tipp, dass in Boden, dem nächsten Ort, ein Hotel ist.

Ein Biker am Schild Hahntennjoch 1894 m

Wir fahren noch über den Pass und verlassen danach unsere Route um nach Boden abzufahren. Im Berggasthof „Bergheimat“ kommen wir tatsächlich unter. Charme der 50er Jahre, aber mit Hallenbad im Keller. Wir haben keine Badehosen dabei, der alte Chef sieht darin kein Problem. Nach 20:00 Uhr geht es auch ohne. Einige Längen später retten wir im Außenpool noch einem Frosch das Leben. Ein sehr guter Tagesabschluss.

Gasthof Bergheimat
Boden 40, 6647 Pfafflar
+43 5635 231

10.Tag

77,3 km – 1038 hm hoch – 1271 hm tief – 6:34 Std in Bewegung
Boden 1347 m – Gaichtpass 1117 m – Oberjoch 1147 m

Soweit es möglich und sinnvoll ist, vermeide ich asphaltierte Straßen und plane deshalb entsprechend. Wir verlassen also nach knappen zwei Kilometern die Hauptstraße und fahren auf einem Forstweg, dem „Besinnungsweg“, ins Bschlaber Tal ab. Leider stellt sich unser Weg sehr bald als ungeeignet heraus.

Roman und ich lassen deshalb die Räder zurück und erkunden den Weg. Ein Bachtal hat sich quer gestellt und wir müssen zur anderen Seite hinüber. Ich kann den weiteren Verlauf nicht einmal ahnen. Wir müssen diesen Versuch abbrechen und zurück.

Notgedrungen fahren wir die neun Kilometer bis Elmen auf der Straße. Wir sind früh dran und es ist erfreulicherweise noch wenig Verkehr. Es gibt drei Tunnels, die sich aber alle leicht umfahren lassen. Nach einer wirklich flotten Abfahrt erreichen wir das Lechtal. Für eine ganze Weile werden wir nun von vielen anderen Radlern begleitet.

Auf dem Lechtalradweg

Weit sind wir noch nicht gekommen, als ich auf dem Radweg eine verlorene Tüte sehe. Inhalt: Ausweis und Krankenversicherungskarte. Ich kehre um und jage den vermeintlichen Besitzern hinterher. Keine Chance, der Vorsprung ist zu groß. In Stanzach, dem nächsten Ort, kaufen wir uns beim Metzger noch eine Brotzeit, geben die Dokumente im Tourismusbüro ab und fahren weiter.

Das weite Kiesbett der Lech
Das Kiesbett der Lech

Das Lechtal zeigt sich uns breit und wild, so ähnlich könnte Kanada sein. Die Straße hoch zum Gaichtpass erreichen wir am frühen Nachmittag. Der Pass wurde schon von den Römern genutzt und war bis in die jüngere Vergangenheit wichtig.

Es gibt einen Förderverein, welcher die alte Paßstraße wieder instand gesetzt hat. Und einmal mehr geht es steil hoch. Es lohnt sich aber. Alte Straßen interessieren mich immer, und oben gibt es schöne Landschaft zu sehen. Die Passhöhe selbst ist allerdings unauffällig. Wellig geht es weiter, langsam sollten wir ein Quartier finden.

In Oberjoch müssen wir noch ein bisschen suchen, dann kommen wir Alpengasthof Löwen unter.

Alpengasthof Löwen 1147 m
Paßstraße 17
87541 Oberjoch/Allgäu
08324 9730

Rückfahrt

 12,1 km – 15 hm hoch – 406 hm tief – 0:37 Std in Bewegung
Oberjoch 1147 m – Bahnhof Sonthofen 740 m

Von Oberjoch zum Bahnhof in Sonthofen ist es ein Klacks. Nur einmal auf der alten Straße schön und flott bergab und schon sind wir da.

Unser Zug kommt in einer Stunde, die Rückfahrt wird etwa fünf Stunden dauern.

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