Giro di Monviso: 230 km Mountainbike-Rundtour um den Monviso

Die Vorgeschichte

Der Giro di Monviso ist eine spektakuläre Mountainbike-Rundtour in den Cottischen Alpen (Westalpen):
230 km, 8.645 Höhenmeter und fünf Pässe über 2.000 m – darunter der Colle dell’Agnello (2.744 m), der höchste asphaltierte Grenzpass der Alpen.

Ich war auf der Suche nach einer alpinen Herausforderung und stieß auf die Beschreibungen von Achim Zahn aus den 1990er-Jahren. Die Tour führt über historische Pfade und Militärstraßen wie die Strada dei Cannoni an der italienisch-französischen Grenze oder die Strada Militare am Colle dell’Agnello.

Dass es keinen GPS-Track gab, hat mich nicht abgeschreckt – im Gegenteil. Ich habe die Herausforderung angenommen, den Track im Winter 2024/25 rekonstruiert und im Sommer 2025 versucht, meine Freunde zu begeistern. Leider ohne Erfolg: Zu weit, zu anstrengend, zu riskant. Auch ich hatte Bedenken – allein auf einer solchen Tour? Zu gefährlich.

Doch aufgeben kam nicht in Frage. Als ich das Angebot einer gemeinsamen Tour auf meiner Website veröffentlichte, war der Durchbruch da: Fünf Stuttgarter wollten eine Variante des Giro di Monviso fahren – und nahmen mich mit.

Streckenverlauf der Giro di Monviso für Mountainbiker
Tourverlauf des Giro di Monviso

230 km, 8.645 hm, 8 Fahrtage, 5 Pässe davon 4 über 2.000 hm,
Höchster Punkt: Col Agnel / Colle dell Agnello 2744 m

10. – 17. Juli 2026 mit Karl, Mattias, Rainer, Simon, Tommy

Anreise

Mein Rad habe ich schon gestern gebracht. Es ist jetzt mit fünf anderen Mountainbikes auf einem Anhänger verstaut. Ein kleines Kunstwerk. Unsere Umrundung des Monviso beginnt Morgen in Torre Pellice, welches Hauptort der drei historischen Waldensertäler in den Cottischen Alpen war. Rainer fährt die 700 km lange Strecke mit nur minimalsten Pausen. Die ganze Fahrt über ist es schon sehr heiß – wie soll da das Piemont eine Ausnahme machen? Bei unserer Ankunft sind unsere Zimmer im Maison Filipot aufgeheizt und die mobilen Klimageräte lärmen sinnlos vor sich hin.

Mountainbikes auf Anhänger für die Giro di Monviso Rundtour
Räder werden Verladen

Zusammen mit Matthias bin ich in einem Doppelzimmer und wir sind uns schnell einig. Hitze UND Lärm, beides zusammen geht gar nicht. Wir schalten das Klimateil ab und setzen unsere Hoffnung auf Durchzug mit zwei offenen Türen und das Schlafen ohne Decke. Die anderen haben es wohl genauso gemacht.

Unsere erste und letzte Übernachtung auf der Giro di Monviso Umrundung

Maison Flipot
17 Corso A. Gramsci, 10066 Torre Pellice
Tel.: +39 340 401 7253

1.Tag

Torre Pellice (516 m) – Cava Pret Basso (1340 m) – Paesana (650 m)
48 km – 1.748 hm – 8:24 Std Fahrzeit – 10:23 Std Gesamt

Der erste Tag wird gleich zur Herausforderung. Nach Tommy’s Planung fahren wir heute 1.500 hm, meine Planung hat eine etwas andere Streckenführung und kommt auf 1.800 hm. Beides ungünstig für einen Anfang, aber nicht zu vermeiden. Kaum losgefahren zieht die Straße auch schon hoch, und der vor uns liegende Anstieg umfasst die gesamten Höhenmeter des Tages nahezu an einem Stück.

Meinen Begleitern scheint das nichts auszumachen, mir aber schon. Ich bin noch lange nicht eingefahren und plage mich sehr. Mein Plan zur Trainingsvorbereitung ist nicht aufgegangen und meine Kondition ist nicht so wie gewünscht. Damit ich den ersten Tag überhaupt überstehe, muss ich bergauf viel schieben. Wir kommen heute durch ein Bergbaugebiet und die Steinbrüche sind schon von Weitem zu sehen und zu hören. Irgendwo wird gesprengt. Noch wissen wir nicht, ob wir am Rand eines Steinbruchs entlangfahren oder mittendurch müssen.

Mountainbiker auf Schotterpiste durch das Bergbaugebiet Cava Pret Basso
Cava Pret Basso

Gegen 14:00 erreichen wir „Cava Pret Basso“ – und wir müssen mitten durch. Zu unserem Glück ist das Betriebsgelände klein und es wird nur an wenigen Stellen gearbeitet. Dafür begegnen uns auf unserem Weg zum „Cava di Luserna“, dem nächsten und größeren Steinbruch noch mehrere schwere, große Mengen von Staub aufwirbelnde LKWs. Im „Cava di Luserna“ wird schwer gearbeitet, und nach einem Abschnitt direkt an der Abbruchkante müssten wir direkt durch den laufenden Betrieb. Wir entscheiden uns gegen die gefährliche Durchfahrt und umfahren das Gelände auf der Straße.

Mountainbiker schieben ihre Räder bei der Monviso Rundtour einen Steilen Trail hinunter
letzter unfahrbarer Trail oberhalb Paesana

Wir sind für heute am höchsten Punkt und es geht jetzt wellig bergab nach Paesana. Kurz vor dem Ort noch ein letzter, steiler und ausgefahrener Trail. Diesmal schieben alle. Der erste Fahrtag war heftig und dass es dann statt 1.500 hm sogar 1.748 hm wurden und wir keine Pausen eingelegt haben, hat mich total erschöpft. Nachdem wir unser Quartier bezogen haben konnten wir sogar mit etwas Mühe noch ein Abendessen bekommen.

Woodhouse
37 Via Crissolo, 12034 Paesana, Italy
Tel: +39 333 686 5272

2. Tag

Damit es mir nicht mehr so geht wie gestern dränge ich auf einen Einkauf damit ich bei Bedarf etwas zu essen habe. Die anderen interessieren sich nicht besonders für Proviant und Pausen. Ich will sie nicht lange warten lassen und beeile mich im Laden.

Die Strecke von Paesano über Sanfront hinauf zum Colle de Gilba kenne ich schon von unserer Tour GTA2 – Von Paesana nach Sanremo welche wir 2019 gefahren haben. Neu ist der ausgeschilderte Radweg nach Sanfront, nichts geändert hat sich dagegen daran, dass wir die letzten 5 km zum Colle schieben werden.

Nach dem Ende der Asphaltstrecke bei San Bernardo bringe ich die anderen dazu eine kurze Pause zu machen. Dass ich ihnen etwas von meinem Einkauf abgeben will überrascht sie, nehmen aber aus Höflichkeit eine Kleinigkeit an. Bei dieser Pause entdeckt Rainer, dass sein Carbonsattel gebrochen war. Mit Taschenmesser, einem Stück Ast und einer stabilen Schnur wird der Sattel notdürftig repariert.

Bei einer Schotterfahrt um den Monviso ist ein Sattel gebrochen
Notreparatur am gebrochenen Sattel

Getröpfelt hat es heute schon immer wieder mal, aber kurz vor dem Pass wird aus dem gelegentlichen Tröpfeln dann doch mehr und es reicht zum Anziehen der Regenjacken und am Pass sogar zum Schutz suchen im offenen Unterstand.

Mountainbiker in einem offenen Unterastand am Colle di Gilba
Unterstand am Colle di Gilba 1526 m
Der Colle di Gilba
Colle di Gilba 1526 m

Nach dieser erzwungenen Pause folgt eine schöne Abfahrt auf feinem Schotter. Sie führt uns direkt zum kleinen Restaurant L’escola e Lou Mulin – das kenne ich schon von 2019.

Melle, wo wir heute Nacht schlafen werden, liegt ca. 800 hm tiefer – scheinbar ‚A gmaade Wiesn‘, wie man in Bayern sagen würde. (Man denkt es ist ganz einfach)

Ganz so gmaad ist die Wiesn dann aber doch nicht. Es kommt noch ein Gegenanstieg und anschließend noch ein anspruchsvoller Trail bis wir unser Nachtquartier in Melle erreichen. Der Trail geht steil hinunter und wir sind unsicher ob wir das fahren können und nicht jeder will es versuchen. Anfangs können wir noch ein Stück umfahren aber danach teilt sich die Gruppe.

Einige versuchen zu fahren, schieben dann aber doch das meiste Stück, die anderen suchen und finden eine fahrbare Alternative. Das letzte Stück improvisieren wir uns gemeinsam nach Melle hinunter.

Bei unserer Giro di Monviso Alpenüberquerung übernachten wir in Melle in einem 6-er Zimmer
Unterkunft im 6-Bett Zimmer

B&B Marietta erwartet uns mit einem 6-Bettzimmer, dafür müssen wir die Räder nicht mehr wie 2019 zwei Stockwerke hochtragen und auf den kleinen Balkon stellen. Inzwischen gibt es etwas entfernt eine Halle wo sie bequem und sicher untergebracht werden. Unsere Suche nach einem Abendessen endet nach einem Bummel durch den Ort gleich nebenan in einer Kneipe.

Übernachtung auf der Giro di Monviso Umrundung

B&B Marietta
Via Castelar 2, 12020 Melle
+39 338 585 9728

3. Tag

Melle (683 m) – Rifugio Meira Garneri (1810 m)
24 km – 1193 hm – 4:39 Std Fahrzeit – 6:36 Std Gesamt

Das Frühstück ist unerwartet reichlichen – 2019 war es noch mehr als karg.  Wir holen die Räder, und nachdem Rainer seinen über Nacht entstandenen Platten geflickt hat, kann es losgehen.

Mountainbiker reparien zwei Räder
Reifenflicken und Bremsencheck

Heute kennt der Tag definitiv nur eine Richtung – Hoch.

Um durch das Varaita-Tal von Melle nach Sampeyre zu fahren gibt es leider keine Alternative zur Strada Provinciale 8. Und die SP 8 ist der Zubringer zum Colle dell Agnello, dem dritthöchsten Straßenpass der Alpen, und Grenzübergang nach Frankreich. Heute ist Sonntag und der zunehmende Verkehr zeigt uns, dass dieser Pass ein Super-Ausflugsziel für die ganze Familie ist – und wir mittendrin.

Gegen 11:00 machen wir in Sampeyre eine Kaffeepause und beenden hier auch gleich die bisherige Fahrt mit sanfter Steigung.

Die Strecke zum Rifugio Meira Garneri, unserem Ziel, beträgt von hier aus nur noch 8 km, allerdings auch etwa 850 Höhenmeter. „Der Berg ist frei“ wie die Rennradler sagen. Die anderen ziehen also ab und sind bald außer Sicht. Ich denke: Der Tag ist noch jung, und lasse mir Zeit.

Etwas mehr als einen Kilometer vor dem Rifugio – es ist jetzt so gegen 14:30 – verlasse ich die schmale Straße und komme bald an eine brachiale Steigung auf schlechtem Untergrund. Allerdings gibt es dort auch eine Quelle und Schatten.

Ich stille meinen Durst und weil ich fast am Ziel bin und der Tag immer noch jung ist lege ich mich für eine Weile in den Schatten.

Rifugio Meira Garneri Rifugio Meira Garneri Cottische Alpen 2026 07 043 Matthiasv1.jpeg
Rifugio Meira Garneri

Ein Anruf weckt mich, ich habe wohl eine halbe Stunde geschlafen. Bald darauf bin ich an der Hütte und habe immer noch genug Zeit um Wäsche zu waschen und zu trödeln.

Rifugio Meira Garneri Rifugio Meira Garneri Cottische Alpen 2026 07 045 Matthiasv1.jpeg

Rifugio Meira Garneri
Vallone di Sant Anna, 12020 Sampeyre
+39 389 831 9723
info@meiragarneri.com

Rifugio Meira Garneri (1810 m) – Colle di Sampeyre 2284 m – Colle della Bicocca 2285 m – Chiesa (1480 m)
17 km – 593 hm – 914 tm – 2:53 Std Fahrzeit – 4:23 Std Gesamt

Heute ist ein Tag mit wenig Anstrengung. Vom Rifugio hoch zum Colle di Sampeyre sind es natürlich auch einige Höhenmeter, diese sind aber auf Asphalt und mit einer gleichmäßigen Steigung von meist 7% gut fahrbar.

Der Monvio - Zentrum seiner Umrundung mit dem Mountainbike
Monviso

Beim hochfahren haben wir auch zum ersten Mal einen unverstellten Blick auf den Monviso. Am Pass angekommen treffen wir auf die letzten 6 km der insgesamt ca. 45 km langen Strada dei Cannoni (Varaita-Maira-Kammstraße).

Wir haben Glück, bei der Nachbereitung lese ich gerade, dass die Straße seit 2025 nur noch dienstags und donnerstags für den motorisierten Verkehr geöffnet ist. Heute ist Montag.

Fünf Mountainainbiker auf der Schotterpiste der Übernachtung auf der Giro di Monviso Umrundung
Strada dei Cannoni

Wir rollen also auf feinem Schotter mühelos und ohne Verkehr hinüber zum auf gleicher Höhe liegenden Colle della Bicocca. Die Aussicht lohnt sich.

Die Strada dei Cannoni auf der Giro di Monviso Umrundung
Strada dei Cannoni

Chiesa, unser Ziel für heute, liegt nun vor uns. Allerdings 800 hm tiefer, erreichbar über einen steilen Wanderweg auf bröseligem Untergrund. Selbst für Wanderer schwer zu gehen. Schmal, eingetieft und lange nicht fahrbar.

In der Posto Tappa GTA (offizielle Etappenunterkunft der Grande Traversata delle Alpi) haben wir ein 6er Zimmer mit drei Stockbetten. Alles OK.

Am Sentiero Colle Bicocca
Sentiero Colle Bicocca – vor Chiesa kann man schieben
Posto Tappa Trattoria del Pelvo Chiesa Cottische Alpen 2026 07 071 Manfredv1.jpg

Posto Tappa Chiesa di Bellino am GTA
Borgata Chiesa, 40, 12020 Bellino
+39-0175/956 026
trattoriadelpelvo.bellino@gmail.com

5. Tag

Im Gegensatz zu gestern wird die heutige Etappe eine Herausforderung, auch wenn die Planungsdaten (15 km – 980 hm) etwas anderes vermuten lassen.

Ein würdiger Einstieg war das Frühstück. Wenn wir einen Kaffee und eine Scheibe Butterkuchen Frühstück nennen wollen. Für mich persönlich ging es dann so weiter dass ich beim Kauen eine meiner Goldkronen samt abgebrochenem Zahn im Kuchen gefunden habe. Für die nächsten Tage kann ich beim Essen sagen: „Mach ich mit links“.

Posto Tappa Trattoria del Pelvo Chiesa Cottische Alpen 2026 07 078 Simonv1.jpeg
Posto Tappa – Trattoria del Pelvo

Vor der Abfahrt darf sich Rainer erneut um einen platten Reifen kümmern. Wir kommen dennoch noch vor 9:00 aufs Rad und machen uns an den Anstieg zum Colletto della Battagliola. Viel fahren wir nicht, die Piste wird bald zu steil und wir schieben ziemlich viel.

Unterwegs zum Colletto della Battagliola Cottische Alpen 2026 07 082 Manfredv1.jpg
Unterwegs zum Colletto della Battagliola

Nach der Monviso Fotopause oben am Coletto machen wir uns an den Abstieg nach Pontechianale. Leider ist der Wanderweg bis auf kleine Abschnitte für uns nicht fahrbar – schwerer Downhill mit Schiebestücken schreibt Achim Zahn in seinem Tourbericht. Er hat Recht. Für diese 3 km benötigen wir fast zwei Stunden.

Fünf Mounteinbiker mit dem Monviso im Rücken
Colletto della Battagliola 2248 m

Gleich bei unserer Ankunft im Ort sind wir auf ein Bier und ein Eis zum See gefahren. Ich bin unruhig und kann das gemeinsame ankommen nicht genießen. Der lange Schiebetag war ziemlich anstrengend und ich habe Zweifel ob ich morgen in einer annehmbaren Zeit über den Colle dell Agnello mit seinen 2744 m schaffe. Ich muss möglichst bald im Hotel fragen, ob sie jemanden wissen, der mich mitnimmt.

Es war viel einfacher als befürchtet. Meine Frage nach einem Shuttle wurde sofort mit der Frage nach der Uhrzeit beantwortet.

Wir bejubeln das 1. Tor der Spanier. Dafuer gibt ein Freibier. Chalet Seggiovia Pontechianale 2026 07 098 Karlv1.jpg
Wir bejubeln das 1. Tor der Spanier.

Heute Abend findet das WM-Halbfinalspiel Spanien – Frankreich statt. Antonio, ein spanischer Fan der Stuttgarter Truppe, gibt eine Runde aus, wenn wir für Spanien sind. Machen wir doch gerne.


Chalet Seggiovia Pontechianale 2026 07 099 Simonv2.jpeg

Hotel/Chalet Seggiovia (Edelweiss)
12020 Pontechianale (CN) – IT
Frazione Maddalena, 70
Tel: +39 0175 950410

6. Tag

Pontechianale (1614 m) – Col Agnel / Colle dell Agnello 2744 m – Abriès (1548 m)
49 km – 1463 hm – 1528 tm – 4:57 Std Fahrzeit – 8:14 Std Gesamt (über den Pass)
32 km – 249 hm – 1451 tm – 3:13 Std Fahrzeit – 4:30 Std Gesamt (Shuttle)

Ich habe ganz gut geschlafen und mein schlechtes Gewissen, weil ich nicht mit den anderen zum Agnello hochfahre hält sich in Grenzen. Nützt ja nichts, geht halt nicht anders.

Der Coll Agnel bzw. Colle del Agnello ist der Höchste Pass auf der Giro di Monviso
Colle dell Agnello 2744 m von Italien hoch

Ein kleiner Trost ist, dass ich sie oben erwarten und Zielfotos machen kann. Am Pass ist viel los: auf ihre Leistung stolze Rennradler, Wanderer und Motorradfahrer tummeln sich hier. Autos können hier nicht halten und fahren langsam durch. Der Blick ist nach beiden Seiten (Italien / Frankreich) gigantisch.

Nachdem alle da sind und sich ein wenig von der Strapaze erholt haben fahren wir gemeinsam einige Kehren nach Frankreich ab und essen im Refuge Agnel eine Kleinigkeit. Laut Planung wollten wir schon ab Passhöhe einen Trail probieren, aber wie so oft geht es „hui“ schnell bergab und das macht ja auch Spaß. So steigen wir eben hinter dem Refuge in den schmalen aber gut fahrbaren Wanderweg ein und bleiben die nächsten 4 km dabei. Es folgt ein kurzes Stück auf Teer und wieder ein Wanderweg, diesmal breiter bis in den 300 Seelen Ort Molines-en-Queyras.

Trail nach dem Rifuge Agnel Cottische Alpen 2026 07 137 Simonv1.jpeg
Trail nach dem Rifuge Agnel

Es ist wieder gut warm und wir legen eine Trinkpause ein. Danach fahren wir durch bis Abriès. Die Wege meist breit, nur der Untergrund wechselt gelegentlich.
Unser Quartier liegt mitten im Ort, wir haben zwei Zimmer mit Balkon. Der Balkon wird später noch wichtig werden. Heute ist das zweite WM-Halbfinalspiel: England – Argentinien. Nach dem Abendessen beginnt die Suche nach einer Möglichkeit das Spiel anzusehen, nachdem die Franzosen raus sind, ist das nicht ganz einfach. Die echten Fans finden heraus, dass man auf dem etwas außerhalb liegenden Campingplatz das Spiel ansehen kann. Allerdings ohne Ton. Für die Nichtfußballer läuft Musik.

Ich bin etwas später dazugekommen und selbst mir fällt auf, dass es ein schlechtes Spiel ist. Menschenkegeln statt Fußball, permanent fallen gefaulte Spieler auf den Rasen, es ist unglaublich aggressiv. Die beiden Nationen haben nach dem Falklandkrieg wohl noch offene Rechnungen und die werden jetzt bezahlt.
Nach der ersten Halbzeit gehe ich. Simon und Matthias bleiben noch, sie sind bei mir im Zimmer und ich werde natürlich nicht abschließen.

Das erste dringlich geflüsterte „Maanfreed“ baue ich noch in einen Traum ein, beim zweiten werde ich wach und bin erstmal noch Orientierungslos. Es kam wohl vom Balkon … stimmt, knapp über den Bodenbrettern sehe ich Simons Gesicht … die Haustüre ist abgeschlossen.

Unsere Unterkunft in Abries Chaler de Lanza Abries 2026 07 138 Manfredv1.jpg

Chalet de Lanza
5 rue Centrale 05460 Abries
Tel: +33 (0)4 92 46 71 21
contact@chaletdelanza.fr

7. Tag

Abriès (1548 m) – Col Lacroix / Colle della Croce 2299 m – Rifugio Willy Jervis (1732 m)
14 km – 844 hm – 640 tm – 3:26 Std Fahrzeit – 4:46 Std Gesamt

Heute geht es über den Col Lacroix bzw. Colle della Croce 2299 m von Frankreich wieder nach Italien. Bis zum Pass sind es nur 10 km, doch die haben es in sich. Erst mal geht es leicht ansteigend neben der Straße zum Refuge de la Monta. Noch ist alles ganz leicht, nur noch 4 km. Wir überqueren die Straße und der Aufstieg zeigt die Zähne.

Aufstieg zum Col Lacroix Cottische Alpen 2026 07 140 Simonv1.jpeg
Aufstieg zum Col Lacroix

Schnell wird der Weg schmaler und steiler, Gruppen von Serpentinen überwinden Steilstellen. Mein Garmin zeigt in der Spitze 22%. Unter Schieben werden die meisten etwas anderes verstehen. Am Pass bläst mich der Wind fast um. Ein Aufenthalt ist nur möglich, weil eine einzelne Ruinenwand Windschatten gibt.

Col Lacroix Col Lacroix Cottische Alpen 2026 07 145 Simon
Col Lacroix

Unser Tagesziel, das Rifugio Willy Jervis, liegt 600 m tiefer. Um überhaupt aufs Rad zu kommen, müssen wir erstmal aus dem Wind, erst danach werden erste Fahrabschnitte möglich. Alles in allem genommen fahren wir nur den kleineren Teil der Strecke. (ca. 3 km S2-Abfahrt bis zum Rifugio Jervis – Achim Zahn)

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Je tiefer wir kommen desto deutlicher zeigt die Anlage des Weges, dass es sich um eine Handelsroute handelt. Für militärische Zwecke wären die Kehren zu eng.

Unterwegs zum Rif. Willy Jervis Cottische Alpen 2026 07 153 Tommyv1.jpg
Unterwegs zum Rif. Willy Jervis

Der Plan für morgen ist 33 km und 1.000 Höhenmeter. Ich habe mich zwar ein Stück weit erholt, aber die 1.000 hm, die real dann auch mal 1.200 Höhenmeter werden können, schrecken mich. Sehr verlockend ist auch die Alternative einer direkten Abfahrt ins PelliceTal mit nur 100 hm.

Ich entscheide mich morgen.

Rifugio Willy Jervis Rifugio Willy Jervis Cottische Alpen 2026 07 158 Matthiasv1.jpeg

Rifugio Willy Jervis
Località Conca del Prà, 10060 Bobbio Pellice
+39 0121 932755


8. Tag

Rifugio Willy Jervis (1732 m) – Rifugio Barant 2369 m – Torre Pellice (516 m)
30 km – 724 hm – 1930 tm – 3:13 Std Fahrzeit – 5:45 Std Gesamt

Trotz Stockbett im Bettenlager habe ich gut geschlafen, und als ich beim Frühstück ein letztes Mal gefragt werde ob ich mitfahre, sage ich ja.

Rifugio Willy Jervis Rifugio Willy Jervis Cottische Alpen 2026 07 159 Rainerv1.jpg
Rifugio Willy Jervis

Natürlich ist auch heute mehr oder weniger schieben angesagt, aber im Vergleich zu gestern sind wir auf eine Piste mit gleichmäßiger Steigung, haben eine weite Sicht und können nebenbei zusehen, wie sich der Hochnebel von unten nähert und in die Verästelung des Tales verteilt.

Lange Abfahrt ins Tal des Pellice Cottische Alpen 2026 07 173 Tommyv1.jpg
Lange Abfahrt ins Tal des Pellice

Der höchste Punkt heute liegt ca. auf 2.400 Metern, nur wenig tiefer steht das Rifugio Barant. Sie haben eben erst die Türe aufgeschlossen und im Gastraum ist der Boden noch feucht. Im Moment sind wir die einzigen Gäste, wir trinken einen Kaffee und fahren weiter. Die geplante Trail-Abfahrt beginnt direkt am Haus, wir entscheiden uns aber für die schnelle und sicher befahrbare Schotterpiste ins Tal.

Lange Abfahrt ins Tal des Pellice Cottische Alpen 2026 07 176 Manfredv1 1.jpg 1
Lange Abfahrt ins Tal des Pellice

Wenige hundert Meter vor dem Refugio Barbara Lowrie wechselt der Schotter auf Teer und für die letzten 10 km bis ins Tal der Pellice sind wir im Rausch der Geschwindigkeit. Die Möglichkeit ab hier erneut zusätzliche 300 Höhenmeter zu fahren verwerfen wir nach kurzer Diskussion.

Als echte Alternative gönnen wir uns in Villar Pellice ein Eis. Am Platz nebenan steht ein Denkmal zu Ehren von Willy Jervis. Es ist früher Nachmittag als wir unseren Giro di Monviso in Torre Pellice beenden.

Schlussbemerkungen

  • Meine Begleiter haben bewiesen das man auch schwere Touren wie diese mit über 70 Jahren fahren kann.
  • Vorausgesetzt, man hat sich ausreichend vorbereitet. 😉
  • Und wenn dann beide Bremsen funktionieren gibt es auch bergab keine Probleme. Simon hatte ab dem 2. Tag nur noch die Vorderradbremse. Dass er dennoch so viel fahren konnte – Respekt !