Schweizcross – Walliser Alpen mit dem Mountainbike

Bergkette mit dem Rauthorn in der Abenddämmerung
Rauthorn 3934 m

Schweizcross statt Alpencross.

Einen Schweizcross wollen wir in diesem Jahr fahren. Genauer gesagt eine Mountainbiketour in den Bergen des Schweizer Kanton Wallis. Das Aletschgebiet kennen wir schon vom Wandern und Skifahren und wir sind uns deshalb sicher, dass es uns auch in den Bergen auf der anderen Seite des Rhonetals gefallen wird.

Der Tourstart wird in Ernen sein, ein Ort im oberen Rhonetal, gegenüber von Bettmerhorn und Eggishorn.

Schweizcross 2013

414 km, 13.762 Höhenmeter, 10 Tage, 7 Pässe über 2000 m.
Höchster Punkt: Meidpass 2790m

1. – 11. August 2013
mit Manfred, Michael und Roman

der Tourverlauf des Schweizcross
Tourverlauf Schweizcross
Das Höhenprofil des Schweizcross
Höhenprofil Schweizcross

Anreise

Nach einer langen Autofahrt kommen wir am Abend in der Schweiz, im Kanton Wallis an. Wir haben ein Zimmer in dem kleinen Ort Ausserbin. In der Nacht fährt hier kaum ein Auto und so stört es auch nicht, dass wir von unserem Zimmer im Jägerstübl direkt auf die Straße sehen.

Von der Anfahrt müde liegen wir schon im Bett, als die Schweizer am 1. August gegen 22:00 Uhr ihren Nationalfeiertag mit Feuerwerk begehen. Es ist wie bei uns an Silvester.

Gasthaus Jägerheim
Familie Julier-Schmid
CH-3995 Ausserbinn
Tel +41 (0)27 971 11 31

Fr 1. Tag

29 km – 1496 hm – 4:43 Std in Bewegung
Ernen 1196 m – Saflischpass 2565 m – Fleschboden 2135 m

Als Erstes bringen wir am Morgen den Wagen in die Tiefgarage in Ernen und versorgen uns im Ort noch mit Bargeld und Proviant für den Tag. Das dauert alles ein wenig länger als gedacht, um 10:15 kommen wir endlich los. Die ersten Höhenmeter bis zur Häuseransammlung „Heiligkreuz“ sind ein einfaches Hochkurbeln auf der Straße, danach wird unser Weg zur Schotterpiste, bleibt aber weitgehend fahrbar.

Zwei ältere Mountainbiker stehen an einem Gebirgsbach
Endlich eine kühle Stelle

Als wir die Stelle erreichen, wo der Meirischbäch unseren Weg kreuzt, ist der Tag schon brutheiß geworden. Dankbar machen wir einen Stopp an der kühlen Wasserstelle. Der Weg wird jetzt steiler und auf einer Höhe von etwa 2350 m ist dann Schluss mit Fahren. Es gibt jetzt keinen festen Weg mehr, dafür aber ab und an kleine Altschneefelder, die aber nicht wirklich stören.

Zwei Mountainbiker an einem Altschneefeld
An der schmalsten Stelle kommt man gut rüber

Der Untergrund ist jetzt grasig und die Wegführung ist nicht immer gleich erkennbar. Wir können uns aber an weit auseinanderstehenden Markierungspflöcken orientieren. Je weiter wir aus dem Tal hinauf zum Saflischpass kommen, desto schöner wird es. Die vielen Küchenschellen vom Frühjahr sind nun verblüht und haben sich in Pusteblumen verwandelt. Jetzt wächst vieles was rot und blau blüht dazu die Lilienart Türkenbund.

Eine Verletzung am ersten Tourtag

Kurz vor dem Saflischpass wird es noch mal richtig steil, das Bergpanorama ist ein Traum. Die Abfahrt Richtung Rosswald hat ihre Tücken. In der schmalen und tiefen Spur liegen Steine und mehr als einmal bleibe ich seitlich mit den waagrecht gestellten Pedalen hängen. Bei so einem „Beinah Sturz“ hat mein Knie etwas abbekommen, es schmerzt und im Laufe des Abends wird es schlimmer werden.

Die letzten Meter zum Saflischpass bei unserem Schweizcross
Die letzten Meter zum Saflischpass auf 2565 m

Gegen 17:30 erreichen wir Fleschboden, ein Restaurant im Skigebiet etwas oberhalb von Rosswald. Es ist ein schöner Platz mit einem tollen Blick in die Berge und Sonne bis zuletzt. Als auch die Musik irgendwann Ruhe gibt, ist alles noch besser.

Wir sind fast die einzigen Gäste und später im Lager, haben wir die zwanzig Betten für uns alleine. Die Nacht wird dennoch unruhig für mich, mein Knie macht mir Sorgen. Am Abend kann ich kaum gehen und nun weiß ich nicht, ob ich morgen weiterfahren kann.

Restaurant Rosswald
Familie Pierig
3913 Rosswald – Wallis
Tel. +41 27 923 21 59
wallis12@bluewin.ch
www.rosswald-wallis.ch

Sa 2. Tag

33 km – 1379 hm – 9:02 Std in Bewegung
Fleschboden 2135m – Simplonpass 2005m – Bistinepass 2503m – Ochselägerhütte 2340m

Ein Stück die Wiese hinunter und wir sind in Rosswald. Ein paar Autos kommen uns entgegen, wir biegen auf einen „Waal“ Weg ab und schon sind wir wieder alleine. Immer auf einer Höhe führt uns der schmale Weg nach hinten in ein Tal. Wir kommen zu einer Weggabelung und folgen der Empfehlung aus dem Internet hinauf zum „Simplon-Höhenweg“.

Mountainbiker schieben beim Schweizcross durch eine Felswand
Die Empfehlung – das soll der bessere Weg sein

Ein grober Fehler, wie sich bald herausstellt. Ein idiotisches Schieben und Wuchten, vorwärts kommen wir kaum. Wie unsere „Vorfahrer“ diesen Weg empfehlen und als „schneller“ bezeichnen können bleibt ein Rätsel, wir kehren jedenfalls bald wieder um und nehmen den „Weg für Schwindelfreie“. Wie zu erwarten gibt es hier ein paar ausgesetzte Stellen, aber vieles ist fahrbar, und das Ganze ist auch noch schöner. Unsere nächste Schwierigkeit wird der Simplonpass sein. Ein Straßenpass mit Tunnel und reichlich Verkehr. Bei der Tourplanung ist es mir nicht gelungen eine sinnvolle Umfahrung zu finden.

Zwei Biker auf einem schmalen Pfad hoch über einem Tal im Wallis
Der „Weg für Schwindelfreie“

Es bleibt uns keine andere Wahl, wir müssen durch den Tunnel fahren. Der Herr ist mit den Seinen: Wir haben Glück, am Tunnel wird gebaut und der Verkehr fließt wegen der Ampel nur stoßweise. Und noch einmal Glück, heute ist Samstag und die Arbeit ruht, das heißt, wir können parallel zum Verkehr durch die Baustelle fahren. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Böse wird es aber erst als wir auf dem letzten Tunnelstück doch noch auf die wechselweise genutzte Fahrspur wechseln müssen. Es ist für uns nicht möglich, herauszufinden ob die Fahrzeuge von vorne oder von hinten kommen werden und sind deshalb in einer permanenten Anspannung. Wir sind heilfroh, als wir den Tunnel hinter uns lassen können.

Ein Gewitter im Gebirge

Am Simplonpass machen wir eine kleine Pause und kaufen in einem Souvenirladen etwas zum Essen und Trinken ein. Dann machen wir uns auf den Weg zum Bistinepass. Während wir uns relativ steil den Berg hochquälen wird der Himmel immer dunkler. Einzelne Tropfen fallen, aber noch kann der Kelch an uns vorübergehen. Er geht nicht vorüber, mitten im Nirgendwo erreicht uns das Gewitter. Wir sind im Hochgebirge in freiem Gelände auf über 2300 m und es gibt keinerlei Möglichkeit, um uns unterzustellen.

Ein Gewitter im Gebirge
Kondome schützen

Die ganze Zeit habe ich die Sekunden zwischen Blitz und Donner gezählt und nun ist es soweit: Räder ablegen und einen tieferer gelegenen Platz für uns suchen. Es duscht uns heftig ab und mit klatschnassem Regenzeug

verkrieche ich mich in meinen roten Biwaksack. Als der Regen endlich aufhört, hat sich die Luft deutlich abgekühlt und ich möchte am liebsten im warmen Biwaksack bleiben.

Mühsam schiebt ein Mountainbiker beim Schweizcross sein Rad zum Bistinepass hoch.
Das letzte Stück vor dem Bistinepass

Bananen am Bistinepass

Am Bistinepass, zu dem wir als Nächstes kommen, pfeift auf der Passhöhe ein kalter Wind. Aber es wartet auch eine Überraschung auf uns – ein kleiner Berg mit frischen Bananen. Vielleicht die Vorbereitungen für einen Berglauf am Sonntag? Wir bedanken uns, nehmen jeder eine Banane und sehen dann zu, dass wir aus dem unangenehmen Wind kommen. Unser nächster Punkt ist der Gibidumpass, Luftlinie etwa 3,5 km in nordwestlicher Richtung. Eigentlich keine Entfernung mit dem Mountainbike. Allerdings liegt das Nanztal quer dazwischen, viel zu tief, um es zu durchqueren.

Ein fahrbarer Weg beim Schweizcross oberhalb des Nanztal
Über dem Nanztal mit Blick auf das Rauthorn

Wir müssen deshalb zuerst einmal vier Kilometer nach Süden, um dann oberhalb der Wasserfälle auf die andere Seite zu wechseln. Auf gleicher Höhe führt dann der Weg, diesmal nach Norden wieder zurück, ausgesetzt aber fahrbar. Es dämmert schon, als wir die Wasserfälle queren, und es ist dunkle Nacht, als wir endlich die Ochselägerhütte erreichen. Die Selbstversorgerhütte ist winzig und wir sind nicht die Einzigen, die hier schlafen werden. Wir teilen uns die acht Lagerplätze mit zwei Frauen und einem Kind.

Ochselägerhütte
Selbstversorger
Gemeinde Visperterminen
maurice.1163@yahoo.fr

So 3. Tag

19 km – 267 hm – 2:18 Std in Bewegung
Ochselägerhütte 2340m – Gibidumpass 2201m – Stalden 934m

Am nächsten Morgen fahren wir auf gleicher Höhe und schönem Weg weiter vor zum Gibidumpass.

Ein Mountainbiker über dem Nanztal im Kanton Wallis
Über dem Nanztal

Der Pass liegt auf 2201 m und ist nichtssagend. Wir fahren gleich weiter und in den Ort Gspon ab. Wir gönnen uns eine kleine Kaffeepause und stoßen anschließend am Ortsrand von Gspon unerwartet auf einen 3 km langen schönen Trail hinunter nach Stalden im Vispertal.
Der Trail ist anspruchsvoll, fast alles fahrbar, unglaublich. Unser Problem ist jetzt, dass wir gestern, mit neun Stunden reiner Fahrzeit, einen recht anstrengenden Tag hatten.

Blick ins Vispertal im Kanton Wallis
Das Vispertal

Und wenn wir jetzt nicht im Vispertal übernachten, müssen wir auf der anderen Talseite wieder 800 Höhenmeter hoch und dass ohne ein Quartier in Aussicht zu haben. Wir beschließen also, heute einen Ruhetag einzulegen, und machen uns auf die nicht ganz einfache Suche nach einer Unterkunft. Nach mehreren Versuchen kommen wir bei Oma in Staldenried unter.

Mo 4. Tag

31 km – 1177 hm – 4:27 Std in Bewegung
Stalden 934m – Törbel 1500m – Unterbäch 1222m

Am nächsten Morgen bekommen wir ein „Verwöhnfrühstück“. Oma´s Sohn ist Bergführer und sie weiß, was hungrige Männer brauchen.

Bevor es dann heute endgültig losgeht, kaufen wir unten im Vispertal noch Proviant ein. Inzwischen ist es wieder heiß geworden. Kleinste Schattenflecke für Pausen nutzend quälen wir uns, immer schön in der Sonne, lange und schweißtreibend die Serpentinenstraße hoch. Bis auf einen voll beladenen Schwerlaster, welcher sich an der engsten Stelle unbedingt sehr knapp an mir vorbei schieben muss, gibt es kaum Verkehr. In Törbel, wieder auf 1500 m, zeigt das Thermometer immer noch 24 °C.

Mit den Walliser Bergen im Hintergrund fährt ein Mountainbiker eine Straße hoch
Auffahrt aus dem Vispertal

Ein Eis am Stiel aus dem Micro muss als Grund für eine erneute Kurzpause herhalten, dann geht es auf dem „Panoramaweg“ mit der zugewachsenen Aussicht weiter. Der Weg zieht über gelegentliche Wurzeln leicht hoch und alles ist schön fahrbar. Im Wald oberhalb von Gärlich stoßen wir auf einen Trail, welcher hinunter nach Unterbäch führt. Wir beschließen spontan, den Track zu verlassen, den steilen Wanderweg abzufahren und in Unterbäch zu übernachten.

Di 5. Tag

Hotel-Restaurant Bietschhorn
Dorfstrasse 41
3944 Unterbäch, Schweiz ‎
+41 27 935 88 99 ‎
www.hotelbietschhorn.ch

32 km – 1592 hm – 5:10 Std in Bewegung
Unterbäch 1222m – (Talgrund 1000m) – Gruben-Hotel Waldesruh 1808m

Am Abend braut sich ein Gewitter zusammen. In den Bergen ist es schon ganz schwarz und die Gipfel sind kaum noch zu erkennen. Beim Abendessen auf der Terrasse kommt Wind auf und es beginnt auch schon zu tröpfeln. Etwas später, es wird gegen halb zehn sein, gehen wir schlafen.

Der nächste Morgen macht nicht den Eindruck, dass es geregnet hätte. Die Wolken sind zwar weg, aber abgekühlt hat es nicht. Die Gästekarte vom Hotel erlaubt uns die Seilbahn hoch zur Brandalm kostenlos zu benutzen. Wir nehmen das Angebot gerne an und sind so innerhalb weniger Minuten wieder auf 1600 Meter und auf dem Track zurück. Im Ortsbereich von Ergisch, wir sind eben noch einen schönen Trail gefahren, verlieren wir den Track und fahren falsch weiter.

Schieben über einen steinigen Pfad
Hinunterschieben ins Tal der Turtmänna

Zwar stimmt die grundsätzliche Richtung, aber wir sollten eigentlich nicht in dieses enge Tal abfahren. Auf der Karte am GPS ist dieser Weg leider auch nicht eingezeichnet und so sind wir im Blindflug unterwegs. Anfangs geht es ja noch ganz gut, aber je tiefer wir ins Tal der Turtmänna kommen, desto weniger fahren wir. Bald ist es nur noch ein Schieben und tragen, wobei Tragen eher ein „drüber heben“ meint.

Auch beim Schweizcross ist eine Papierkarte sinnvoll

Ganz unten angekommen hat das GPS endgültig keinen Empfang mehr. Unser Wanderweg führt am Bach entlang weiter und wir nutzen die Gelegenheit, um ausgiebig zu planschen. Gewissermaßen als eine sehr erfrischende Belohnung für unsere Mühen.

Dass wir noch weitere Mühen auf uns nehmen müssen um aus dem Tal wieder nach oben zu kommen ahnen wir. Eine Weggabelung kommt und einer der Wege führt nach oben. Wir müssen schieben. Hoch … und hoch … und hoch. Und als wir schon nicht mehr daran glauben jemals oben anzukommen, erreichen wir die zwei Häuser von Hübschweidi und sind damit wieder auf der Straße und dem Track.

Ein Bettenlaber mit richtigen Bettdecken.
Bettenlager in der Waldesruh

Jetzt müssen wir nur noch sechs Kilometer und vierhundert Höhenmeter bis nach Gruben zur „Waldesruh“ kurbeln. Gleichzeitig mit dem aufkommenden Wind fallen wieder die ersten Tropfen. Wir legen noch einen Zahn zu und treten schneller in die Pedale. Ohne wirklich nass zu werden erreichen wir die alleinstehende „Waldesruh“, ein schönes, altes Holzhaus. Das Bettenlager überrascht uns mit richtigen Bettdecken, abwechselnd in Rot und Blau bezogen. Und das Essen ist auch noch wirklich gut.

Das Restaurant Waldesruh in Gruben

Restaurant Waldesruh
Gruben
+41 27 9321397

Mi 6. Tag

28 km – 1251 hm – 4:57 Std in Bewegung
Gruben-Hotel Waldesruh 1808m – Meidpass 2790m –
Pas de Lona 2787 m – Cabane Bella Tola_2340m – St. Luc „Le Beausite“ 1618m

Tour Varianten haben wir eigentlich immer mit im Gepäck. Und an diesem Morgen ist jetzt wieder einmal der Augenblick an dem wir uns für eine Variante entscheiden müssen, später treffen beide Möglichkeiten wieder zusammen. Ein Einheimischer mit Geländemotorrad – er hat am ehesten einen Blick für unsere Wege – empfiehlt uns, den Weg über den Meidpass zu nehmen. Er soll fahrbarer sein als die Route über den etwas höheren Forcletta.

Am Meidpass taucht ein Wanderer aus dem Nebel auf.
Begegnung am Meidpass

Ein Blick in den Himmel zeigt uns, dass wir uns auf Regen einstellen müssen. Umso erfreulicher ist es, dass sich die Wolken doch noch verziehen und sich die Luft erwärmt, ohne gleich heiß zu werden. Auf einer gleichmäßig steilen Piste kurbeln wir auf dem kleinsten Ritzel bis zur Alm Meide-Oberstaffel hoch. Hier beginnt mit dem Wanderweg auch das schieben. Anfangs ist es noch ganz einfach, ohne Rucksack könnte man vielleicht sogar noch fahren. Die ersten Tropfen fallen. Werden mehr, werden wieder weniger, wieder mehr und hören dann nicht mehr auf. In vollem Regenzeug kämpfen wir uns die restlichen dreihundert Höhenmeter zum Meidpass hinauf. Es kommen uns mehrere geführte Wandergruppen entgegen. Erkennbar am besten ausgerüstet sind die Asiaten, leider hapert es ebenso erkennbar an ihrer Kondition.

Eine gute Ausrüstung ist wichtig

Am Meidpass auf 2790 m Höhe pfeift der Wind, Sicht gibt es keine, dafür regnet es immer noch. Nebel zieht auf und wird zum Glück bald wieder verweht. Kein Grund, hier länger zu bleiben. Wir schauen, dass wir weiterkommen. Im oberen Teil ist der Abstieg wieder einmal nicht fahrbar, und weiter unten ist der Weg von der Nässe stark aufgeweicht und so schieben wir lieber ein Stück länger – und es regnet immer noch.

Ein Mountainbiker schiebt sein Rad am Meidpass
Der Meidpass ist nicht fahrbar

Im Cabane Bella Tola, mitten im Skigebiet, bekommen wir eine warme Suppe und können unsere Sachen etwas trocknen. Als wir gehen, hat der Regen zum Glück aufgehört. Unser Track läuft nun auf Schotterpiste und ist nach St. Luc hinunter einfach zu fahren. In St. Luc angekommen schaut es schon wieder nach Regen aus.

Ziel für heute ist eigentlich Grimentz, bis dahin ist es jedoch noch ein gutes Stück. Wir meinen: Einmal abwaschen pro Tag reicht. Unsere Übernachtung im „Le Beausite“ wird mit 250,- CHF für ein 3-Bettzimmer der Rekord auf dieser Tour.

Hôtel Le Beausite in Saint-Luc

Hôtel Le Beausite
CH 3961 Saint-Luc
Valais, Switzerland
+41 27  4751586
www.lebeausite.ch

Do 7. Tag

38 km – 1875 hm – 4:18 Std in Bewegung
St. Luc „Le Beausite“ 1618m – Lac de Moiry – Bassét de Lona 2785m – Lac de Lona – Pas de Lona 2787m – Eison „Pas de Lona“ 1657m

Von St. Luc aus geht es zuerst einmal noch tiefer ins Tal hinab. Durch den vielen Regen angeschwollen tobt die Navizence in ihrem Bett unter der Brücke hindurch. In Grimentz angekommen stehen für uns noch 700 Höhenmeter hochkurbeln zum Stausee Lac de Moiry auf dem Programm. Und das schlechte Wetter hat uns weiter im Griff. Wir sind kaum im Grimentz losgefahren als es wieder zu regnen beginnt und schnell in Starkregen übergeht.

Drei Menschen am Berg in strömenden Regen.
Endstation unserer Taxifahrt

Keine Unterstellmöglichkeit ist in Sicht und ich spiele kurz mit dem Gedanken zum letzten Tunnel zurückzufahren, aber was wird dann aus Michael, der mir ein gutes Stück voraus ist? Also weiterfahren. Ein Lieferwagen überholt mich und hält etwas voraus am Straßenrand an. Roman winkt aus der Schiebetüre. Ein freundlicher Bauer, auf dem Weg zu seiner Alm, liest mich und wenig später auch Michael auf. Wir haben zufällig denselben Weg, und als er an seiner Alm ankommt, fährt uns sogar noch weiter in Richtung Pas de Lona. Irgendwann stoppt ihn eine abgeschlossene Schranke, zu der er keinen Schlüssel hat, er wäre für uns noch weiter gefahren.

Auf Reisen findet man sie noch … die Hilfsbereitschaft

Als wir aussteigen, prasselt es noch immer, ohne unseren freundlichen Fahrer wären wir wohl ersoffen. Es ist kalt, starker Wind bläst und alles an uns ist nass. Der Boden ist aufgeweicht und wir schieben so schnell wie möglich weiter, der Weg ein Bächlein.

Endlich erreichen wir den Pass, aber wir täuschen uns, es gibt hier kurz hintereinander zwei Pässe. Wir stehen am Bassét de Lona ca. 2785 m. Der Pas de Lona mit 2787 m kommt erst noch! Mit 6 °C ist es hier extrem ungemütlich, nichts wie weiter. Ein kurzes fahrbares Stück hinunter zum Lac de Lona und schon schieben wir wieder hoch. Am Pas de Lona ist bei diesem Wetter wenig zu sehen. Geschätzte einhundertfünfzig Meter über uns thront die Hütte Cabane des Becs de Bosson, hier wollten wir eventuell übernachten,  aber durch die Hilfe unseres Bauern liegen wir gut in der Zeit und fahren weiter.

Zwei Mountainbiker fahren auf weichem Untergrund vom Pas de Lona ab.
Abfahrt vom Pas de Lona

Der Pass ist nicht verblockt und wir versuchen abzufahren. Es geht, ist auf dem aufgeweichten und sandig-pröseligem Boden aber teilweise nicht ganz einfach. Etwas tiefer stoßen wir auf eine Piste und ab hier läuft es gut. Wir sind nun schon in der Nähe von Eison, nur noch ein kurzes Stück bis zum Quartier und in die Wärme. Aber ich muss anhalten und meine Bremsbeläge wechseln. Hinten bin ich blank auf Metall, vorne ist noch ein Hauch von Belag. Ich tausche von vorn nach hinten und spendiere der Vorderradbremse mein letztes Paar Bremsbeläge. In der Zwischenzeit haben Michael und Roman was zu essen vorbereitet. In Eison kommen wir in der sehr schönen Pension „Pas de Lona“ unter.

Pension Pas-de-Lona

Pension Pas-de-Lona
Le Lagec 3
1969 Eison (St-Martin), Schweiz
+41 27 2811181

Fr 8. Tag

43 km – 1307 hm – 5:49 Std in Bewegung
Eison 1657m – Evolene 1371 m – Heremence 1254m

Es ist kalt als wir in der Früh losfahren. Am Dorfrand endet die Straße und geht in einen Feldweg über, welcher schon bald zu einem Wurzeltrail wird. Allerdings zu einem tropfnassen Wurzeltrail, schmierig wie Seife. Erst recht spät, schon auf dem Weg hinunter nach Evolene, wird der Weg wieder fahrbar. Evolene, ein von Touristen gut besuchter Ort mit alten Holzhäusern, bereitete sich gerade auf ein großes Fest vor.

Historische Holzhäuser in Evolene
Evolene bereitet sich auf ein Fest vor

Ein Bierzelt ist aufgebaut und im Vorbeifahren sehe ich, dass drinnen die Bühne geschmückt wird. Überall im Ort Wimpel und Schweizer-Fähnchen. Wir nutzen die Gelegenheit, um wieder einzukaufen.

Auf der alten Straße kurbeln wir anschließend lange zur Seilbahnstation hoch, Wirtshaus gibt es hier oben keines und so machen wir auf einem Holzstoß neben dem Weg Brotzeit. Nebelschwaden ziehen durch, aber es bleibt trocken. Zuletzt wird der Weg steiler und geht in einen kaum fahrbaren Wanderweg über.

Ein Bergweg im Nebel
Schöne Aussicht auf dem Höhenweg

In der Karte als ein Höhenweg eingezeichnet, sicher mit schöner Sicht, nur sehen können wir bei diesem Nebel nichts. Wir kommen an eine Alm, Kühe auf dem Pfad vor uns, dann wieder eine fahrbare Straße und flott Richtung Tal. Im einzigen Wirtshaus von Heremence kommen wir unter.

Auberge des Amis
Rue de l’Eglise 32
1987 Hérémence, Schweiz
+41 27 281 11 97
www.aubergedesamis.ch

Sa 9. Tag

48 km – 1980 hm – 6:29 Std in Bewegung
Hermence  1254m  – Iserables 1130 m

Heute fahren wir noch bis Iserables. Notizen habe ich von diesem Tag leider keine. Einmal endet unser in der Karte eingezeichneter Weg in einer neu angelegten Skipiste und wir müssen den ganzen langen Hang heftig steil hochschieben.

Ein Biker schiebt sein Rad sehr steil hoch. Weit unten im Tal sieht man Ortsschaften
auf der Skipiste

Auberge du Mont Gelé
Iserables
027 3062688

So 10. Tag

114 km – 1371 hm – 7:34 Std in Bewegung
Iserables 1130 m – Rhonetal 504 m – Ernen 1197 m

Heute fahren wir zurück nach Ernen, wo unser Auto steht. Im Rhonetal geht es auf Wirtschafts- und Radwegen bis nach Filet, gar nicht mehr so weit von Ernen entfernt. Hier ist der Verkehr allerdings schon unangenehm stark und es gibt keine Ausweichmöglichkeit auf einen Radweg oder eine Nebenstraße mehr.

Wir verlassen hier deshalb die Hauptstraße und nehmen den Umweg über den Berg. Hinauf nach Grengiols und über Hockmatt und Ausserbinn Richtung Ernen. Tief unten im Wald noch auf der „Römerbrücke“ über die Binna und wir kommen bei einsetzender Dämmerung am Marktplatz in Ernen an.

Die Ortschaft Ernen
Ernen

Unsere Ausweichstrecke ist landschaftlich schön und hat auch wieder den Charakter einer MTB Tour, dauert halt aber auch deutlich länger als auf der Hauptstraße.

Morgen fahren wir heim.

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